Mit der Aktion „DKMS macht Schule“ ruft die Deutsche Knochenmarkspenderdatei junge Menschen auf eine Registrierungsaktion an ihrer Schule zu organisieren. Das Mädchengymnasium St. Ursula in Aachen hat sich kurz vor Ferienstart im Dezember mit einer solchen Aktion gegen Blutkrebs engagiert.

Zahlreiche Menschen überall auf der Welt sind an Blutkrebs (Leukämie) erkrankt. Diese häufigste Erkrankung des blutbildenden Systems trifft sehr oft auch Kinder und Jugendliche. Bei Erkrankten findet eine übermäßige Vermehrung der weißen Blutkörperchen statt. Häufig ist dann eine Stammzellspende die einzige Rettung. Da jeder fünfte Blutkrebspatient immer noch keinen passenden Spender findet, ist es wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich typisieren lassen. So wird die Chance erhöht, dass jeder Blutkrebspatienten einen passenden Spender, also seinen „genetischen Zwilling“, findet.

„Jeder von euch trägt das Gegenmittel gegen Blutkrebs in sich.“ So leitet Jana Köhler von der DKMS die Infoveranstaltung, die vorbereitend auf die Typisierungsaktion stattfindet, im St. Ursula Gymnasium in Aachen ein. Bei dieser Infoveranstaltung werden allen ca. 180 Schülern der Schule umfassende Informationen über Blutkrebs und Stammzellspende vermittelt. Mit Videos, die den Krankheitsweg verschiedener Patienten aufzeigen, werden die Schüler dazu aufgerufen selbst aktiv zu werden und irgendwie auch ein bisschen Leben zu retten.

Aachener Student erzählt wie er Stammzellspender wurde

Ein Leben gerettet hat auch Ralf, ein Spender aus Aachen, der den Schülern bei der Veranstaltung von seinen Erfahrungen erzählt. Er selbst hat sich 2012 typisieren lassen, da in seinem Freundeskreis ein Blutkrebsfall auftrat. Laut DKMS ist dies neben dem Willen etwas Gutes zu tun einer der häufigsten Gründe zur Registrierung. Der Dreiundzwanzigjährige Student erzählt, dass er 2014 bereits einen Anruf erhielt, ob er für eine Spende bereit wäre. Damals stellte sich nach weiteren Tests heraus, dass seine Gewebemerkmale nicht hundertprozentig mit denen des Patienten übereinstimmen. Hier zeigt sich, dass die Suche nach einem geeigneten Stammzellspender unglaublich schwer ist, denn die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen genau übereinstimmen.
Im März 2015 war es dann aber soweit, nach weiteren Untersuchungen stand fest: Ralf sollte spenden. Er erzählt, dass die Nachricht für ihn sowohl Freude als auch Schock bedeutete. Er war froh, dass er helfen kann und nun die Chance bekommt ein Leben zu retten. Doch bedeutete dies auch, dass es jemandem so schlecht geht, dass er diese Hilfe benötigt, um zu überleben.
Fünf Tage vor der Reise in die Transplantationsklinik nach Köln muss sich der Spender selbst ein Medikament mit kleinen Spritzen verabreichen, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Bei Ralf fand daher die periphere Stammzellentnahme statt. Diese Methode wird bei 80% der Fälle durchgeführt. Bei einer Entnahme, die drei bis vier Stunden dauert, werden die Stammzellen direkt aus dem Blut entnommen. Es ist kein stationärer Aufenthalt und keine Vollnarkose notwendig. Auch Langzeitnebenwirkungen treten nicht auf. Ralf berichtet lediglich, dass während der Verabreichung der Medikamente grippeähnliche Symptome auftreten und er nach der Spende zwei Tage ausgelaugt und müde war. Eine Woche später erfährt Ralf einige Informationen über den Patienten. Sein Empfänger ist im gleichen Alter wie er, männlich und kommt aus den USA. „Das war erst mal ein Schock für mich. Das hätte genauso gut ich sein können.“ Hier fasst er in Worte, was viele denken: es kann jeden treffen. Warum sollte man dann nicht mit einer Blutentnahme ohne Gefahren für sich selbst jemandem das Leben retten?
Der Spender wird danach regelmäßig über die Zwischenstände des Empfängers informiert und in den ersten zwei Jahren kann ein loser Kontakt über Brief und Mail aufgebaut werden. Der Kontakt bleibt in dieser Zeit anonym, um beide Seiten zu schützen und den Druck nach Forderungen seitens des Spenders rauszunehmen. Nach beidseitiger Zustimmung kann danach ein Kennenlernen stattfinden. Laut DKMS entwickeln sich daraus oft lebenslange tiefe Freundschaften über Ländergrenzen hinweg.

Kurz vor den Weihnachtsferien sollte die Typisierungsaktion im Mädchengymnasium stattfinden. Die Schülerinnen beschäftigten sich teils schon im Biologie- und Religions- Unterricht mit den Themen Blutkrebs und Stammzellspende. Lukas Griemens, ein Referendar der Schule und Zuständiger der Aktion, hat die Schule für die Aktion angemeldet: „Es ist eine gute Sache und es ist einfach wichtig, sich mit Blutkrebs und Stammzellspende auseinanderzusetzen“ und so erhofft sich die Schule, dass sich auch weitere Schulen in der Region dazu entscheiden, eine Typisierungsaktion durchzuführen. Die Schule spielt mit dem Gedanken in Zukunft regelmäßig Infoveranstaltungen zu diesem Thema durchzuführen, sodass immer mehr Schüler über die Möglichkeit einer Stammzellspende aufgeklärt werden und sich womöglich später typisieren lassen.
Nach der Infoveranstaltung übernahmen zahlreiche freiwillige Schülerinnen nach einer vorherigen Einweisung die Typisierung ihrer Mitschülerinnen. Der überwiegende Teil der Schülerinnen ließ sich registrieren. Carolin (18) war auch dabei und sagt abschließend „Wenn man etwas Gutes tun kann, sollte man das auch machen.“

Wer kann mitmachen?

Um sich typisieren zu lassen muss man zwischen 17 und 55 Jahre alt sein, mindestens 50 kg wiegen und gesund sein. Dies bedeutet, dass keine Autoimmunerkrankungen oder chronischen Erkrankungen vorliegen dürfen. Die jungen Erwachsenen, die sich mit 17 Jahren registrieren lassen, müssen außerdem mit der Volljährigkeit nochmals ihr Einverständnis geben, dass sie in die Knochenmarkspenderdatei aufgenommen werden. Die Typisierung erfolgt meist durch einen Wangenabstrich mit einem Wattestäbchen. Selten wird eine Blutentnahme zur Registrierung durchgeführt. Wenn man wirklich als Spender in Frage kommt gibt es die Möglichkeit der peripheren Stammzellentnahme, die bei dem Spender Ralf durchgeführt wurde, und die der Knochenmarkentnahme. Hier wird unter Vollnarkose direkt Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf die der Vollnarkose und leichten Schmerzen im Entnahmebereich.

Um sich als Schule im Kampf gegen Blutkrebs zu engagieren, kann man sich direkt hier http://www.dkms.de/de/schulen anmelden. Die DKMS ist außerdem auf facebook vertreten. Hier kann auch nachverfolgt werden wie es den Empfängern geht und für welchen Patienten Typisierungsaktionen stattfinden. Zudem werden hier regelmäßig Fragen zur Stammzellspende beantwortet. Auch auf dem youtube-Kanal der DKMS werden mithilfe anschaulicher Videos zahlreiche Fragen beantwortet und auch Stammzellspender berichten über ihre Erfahrungen.