Annie Leibovitz – auch wenn ich mich gerne mit Fotografie beschäftige, muss ich zugeben, dass ich ihren Namen noch nie gehört hatte. Aber schlägt man das Buch auf, weiß man an Hand ihrer Fotografien genau, wer gemeint ist. Da ist zum Beispiel das Bild von John Lennon und Yoko Ono, aufgenommen am 8. Dezember 1980 wenige Stunden vor seinem Tod. Yoko liegt angezogen auf ihrem Bett, während sich John nackt an sie schmiegt. Aber auch die Rolling Stones, die Queen, Arnold Schwarzenegger und Demi Moore hatte die berühmte Starfotografin vor ihrer Linse.
Dabei folgt das Buch, das sie selbst geschrieben hat, nur zu Teilen der Chronologie ihres Lebens. Sie beschreibt eher die einzelnen Phasen, in denen bestimmte Personen, Ereignisse in der Geschichte oder auch ihre Arbeit als Fotografin eine wichtige Rolle spielten. So handelt ein Kapitel von ihr als Tourfotografin der Stones, das nächste aber von Kriegsfotografie aus Vietnam.

Gefallen hat mir zum einen ihre Sicht auf die Fotografie und die Kunst. Zum Beispiel beschreibt Annie direkt am Anfang, wie sie als junges Mädchen den Berg Fuji erklimmen wollte und die Kamera dabei immer schwerer und schwerer wurde. Als sie endlich oben ankam, war sie doch froh, die Kamera ganz mit nach oben genommen zu haben, denn der Ausblick war wunderschön. Jedoch hatte sie nur eine Filmrolle dabei. So lernte die Fotografin, die Kamera zu schätzen und dass jedes einzelne Bild etwas wert war.
Das Buch ist toll gestaltet: eine Mischung aus Bildband und Text, immer abwechselnd und so, dass man sich, ohne vom Text abgelenkt zu werden, in die Bilder vertiefen kann. Das Buch gibt einem den Raum und die Ruhe, um die Bilder mit Hilfe des Textes zu verstehen.

Außerdem fand ich schön, wie Annie Leibovitz die Geschichten zu ihren Fotos erzählt – wie sie aufgenommen wurden, die Arbeit mit den Modellen und auch Schwierigkeiten lässt sie dabei nicht aus. So bekommt der Leser viele Hintergrundinformationen zum Bild, aber auch zu den Personen und zur Fotografie. Man merkt schnell: Auf berühmten Bildern wirken Fotograf und das Model unnahbar, aber in echt sind es doch auch nur Menschen.
Annie Leibovitz at Work | Sharon DeLano und Annie Leibovitz, 237 Seiten, Verlag Schirmer Mosel (2008) | € 46