Fünf Uhr morgens am Kaiserplatz. Menschenmengen bahnen sich ihren Weg durch die Adalbertstraße. Bewaffnet mit Schubkarren und EC-Karten stürmen sie ab sechs Uhr das neue Einkaufszentrum, um im neuen Saturn Schnäppchen wie die Playstation 4 oder eine neue Waschmaschine zu ergattern. Schon seit Monaten wurde die Eröffnung des Aquis Plaza teils mit Skepsis, teils mit Vorfreude erwartet. Am 28. Oktober war es dann so weit.

Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich ist das Aquis Plaza um acht Uhr morgens eröffnet worden. Bereits ab sechs Uhr konnten die Kunden in den neuen Saturn. Am ersten Tag besuchten etwa 84.000 Menschen das Einkaufszentrum, auf dessen 29.200 Quadratmetern Fläche 110 neue Geschäfte und Gastronomien einen Platz gefunden haben. Darunter waren auch viele Schüler, die statt zur Schule lieber shoppen gingen.

Neue Ideen von Duftteppich bis zu Shopping-App

Unter dem Slogan „Alles. Anders. Aachen.“ wird dem Besucher eine ganze neue Art des Shoppingerlebnisses geboten: An den Eingängen wird ein frischer Duft versprüht, es läuft Musik und in einer Selfiebox können die Kunden Fotos vor einem Greenscreen machen, bearbeiten und sich selbst schicken. Es gibt für alle „Free Wi-Fi“, man kann sein Handy aufladen und speziell fürs Aquis Plaza wurde eine App entwickelt. Diese nennt sich „Love to Shop“, und indem man Werbung auf Facebook teilt und persönliche Daten preisgibt, kann man Punkte sammeln, um Gutscheine zu bekommen. Außerdem gibt es Informationen über die neusten Angebote, welche genau auf den Nutzer und seine Bedürfnisse abgestimmt werden.
In den ersten vier Tagen war das 290 Millionen Euro teure Kaufhaus von acht bis 22 Uhr geöffnet, fortan schließt es jedoch schon um acht Uhr. Durch besondere Events wie „Die längste Printe der Welt“, eine Charity-Aktion von Nobis, oder verkaufsoffene Sonntage sollen täglich durchschnittlich 25.000 Besucher angelockt werden. Daher ist auch die Lage direkt am Adalbertsteinweg ideal, so die Center-Managerin Kathrin Landsmann. Somit liegt das Aquis Plaza im Gegensatz zu den Aachen Arkaden zentral und es ist für den Kunden eine Kombination aus Flanieren durch die Einkaufsstraße und Shoppen im Center möglich.
Dennoch befürchten viele Einzelhändler auf dem Adalbertsteinweg, dass es zu einem deutlichen Rückgang an Kunden kommen wird. Folglich käme es dort immer mehr zu Leerständen und die Stadt verlöre an Attraktivität. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass für das neue Einkaufszentrum nur Mietpartner ausgewählt wurden, die zu der Zielgruppe, vor allem den 16- bis 39-Jährigen, und dem Einzugsgebiet passen. So finden sich dort unter anderem Bershka, SportScheck, KFC, SuperDry und viele weitere Geschäfte, die es vorher in Aachen nicht gab. Dadurch ist es für den Kunden gar nicht mehr nötig, das Aquis Plaza zu verlassen, denn alle Einkäufe können unter einem Dach getätigt werden.

Unfreiwillige Sicherheitsübungen

Bereits zweimal wurde innerhalb der ersten zwei Wochen das Sicherheitssystem des Aquis Plaza auf die Probe gestellt. Sowohl am Freitag, dem 30. Oktober, als auch am Donnerstag, dem 4. November, musste das Gebäude aufgrund eines Feueralarms geräumt werden. Innerhalb von wenigen Minuten waren alle circa 3.000 Besucher evakuiert worden, doch wie sich herausstellte, handelte es sich beide Male um einen Fehlalarm, der einmal durch die versehentliche Beschädigung einer Sprinkleranlage in der Tiefgarage durch einen Lkw ausgelöst wurde und einmal unbeabsichtigt im Rahmen einer Kontrolle des Alarmsystems. Sowohl die Feuerwehr, die mit mehreren Einsatzwagen angerückt war, als auch die Center-Managerin waren sehr froh, dass das Sicherheitssystem so gut funktioniert. Solche Probleme in der ersten Phase der Inbetriebnahme seien normal. Dennoch ärgerten sich vor allem einige der Gastronomiebesitzer, weil viele Kunden nach dem Alarm nicht zurückgekehrt sind, um ihre Bestellungen zu bezahlen.

Es ist sehr umstritten, ob die 600 Parkplätze in dem neuen Parkhaus wirklich nötig sind, denn dadurch wird die Luftverschmutzung in Aachen nur noch erhöht und in der Umgebung gibt es genügend Parkhäuser, die nicht ausgelastet sind. Doch der Investor Einkaufs-Center-
Entwicklungsgesellschaft (ECE) sieht vor, dass die Kunden mit dem Auto anreisen, zwei bis drei Stunden im Aquis Plaza shoppen und essen und dann wieder heimkehren, so Horst Schnitzler von der Unabhängigen Wähler*innen Gemeinschaft (UWG). Dies hätte zur Folge, dass die ganzen Einzelhändler in der Umgebung überhaupt nicht vom neuen Shoppingcenter profitieren würden, sondern im Gegenteil daran bankrott gingen. Aus diesem Grund hat Herr Falter, der Besitzer der Mayerschen, am Kaiserplatz eine Immobilie erworben, um, falls sich das Stadtzentrum dorthin verlagern sollte, dort eine neue Filiale zu errichten.

Der Kunde entscheidet

Ein weiteres Problem, auf das die UWG mit ihrer Kampagne „Kaiserplatzgalerie? Nein danke!“ aufmerksam machen möchte, ist der mangelnde Wohnraum. Für den Bau des Aquis Plaza mussten 8.000 Quadratmeter Wohnraum abgerissen werden, die durch den Investor jedoch nur in Teilen und mit wesentlich höheren Mietpreisen ersetzt worden sind. Aufgrund der Tatsache, dass die Mietpreise in Aachen ohnehin schon sehr teuer sind und es seit der Flüchtlingskrise immer mehr an Wohnraum fehlt, fordert die UWG den Bau von Sozialwohnungen. Außerdem kritisiert sie, dass bei einem Verdrängungswettbewerb von 9,8 % die alteingesessenen Einzelhändler, wie sie beispielsweise am Markt und Umgebung zu finden sind, keine Chance hätten und womöglich pleite gingen. Wie in Zukunft die Situation aussehen wird, ist schwer abzuschätzen und hängt davon ab, wie wir Kunden uns entscheiden. Möglicherweise ist das Aquis Plaza ein Impuls für den gesamten Einzelhandel und besonders eine Chance für den Bereich vom Kugelbrunnen bis zum Kaiserplatz, an Attraktivität zu gewinnen, jedoch sollte dabei der restliche Teil der Stadt nicht in den Hintergrund treten.

Text: Deborah Peters
Video: Jakub Dudzikowski, Peter Grunwald
Musik: Ryan Taubert: „We all play a Part“/„We are Warriors“ (The Music Bed)
Foto: Markus Jansen