… man muss es nur finden. Und das passiert manchmal auch erst einiges später. So war es jedenfalls bei mir. Vor etwa zwei Jahren, also im Alter von 20 Jahren, hatte ich mit starken Magenschmerzen zu kämpfen. Wie sich erst ein Jahr später herausstellte, waren es Gallensteine, die mir diese Probleme bereiteten.  Gallensteine haben meist erst Frauen ab vierzig, die etwas kräftiger sind und schon Kinder haben. All das trifft bei mir also absolut nicht zu. Das sahen auch alle Ärzte so: Statistisch gesehen unmöglich, also brauchen wir keinen Ultraschall zu machen, denn „da sieht man ja sowieso nichts“. Stattdessen hatte ich also ein Jahr lang starke Schmerzen, lernte mindestens acht verschiedene Ärzte kennen, die entweder nichts fanden, eine Magenschleimhautentzündung vermuteten oder mir offenbar nicht glaubten. Ich hatte natürlich auch keinen blassen Schimmer, woher diese Schmerzen kamen, und das war auch das Problem. Hätte ich es gewusst, hätte ich keine fettigen Sachen mehr gegessen, die die Schmerzen noch viel schlimmer machten, und es hätte mir unzählige Arztbesuche erspart. Doch das kann man sowieso nicht mehr ändern. Glücklicherweise wurde dann nach einem Jahr im Krankenhaus Ultraschall gemacht, und auch die Ärztin sagte ganz erstaunt: „Oh, da haben wir ja das Problem, Sie haben Gallensteine.“ Da fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen – oder von der Galle. Tatsächlich hatte ich genau das, was alle Ärzte schon von vornherein ausgeschlossen hatten. Natürlich bleibt dadurch ein ganzes Stück Misstrauen in die Ärzte zurück, denn es wurde nur ausgeschlossen, weil ich nicht ins Schema passte, und wurde nicht trotzdem überprüft. Doch Ärzte machen auch nur ihren Job, und ich war halt wirklich ein Einzelfall.

Die Erleichterung war umso größer, nachdem mir 81 Steine samt Gallenblase durch eine Operation entfernt worden waren. Die Steine durfte ich behalten, sie sahen aus wie kleine, dunkelrote Perlen. Die Dose verschwand in meiner Erinnerungsbox, bis sie mir vor einigen Monaten wieder in die Hände fiel. Natürlich war es nicht besonders schön, diese Dinger anzusehen, sie waren ja auch in einem hässlichen Behälter aus dem Krankenhaus. Ich fragte mich, ob diese Steine das noch lange darin überleben werden und ob sie nicht irgendwann zerfallen, bevor ich sie mal meinen Kindern zeigen kann. Und warum sollte ich sie auch in ihrem unschönsten Zustand zeigen? Sie haben mir das Leben ja schon schwer genug gemacht, doch man soll ja nicht zurückblicken und nur das Schlechte darin sehen. Da kam mir die Idee, diese kleinen, harten Steinchen irgendwie zu etwas Schönerem zu verarbeiten. Fragte sich nur, was. Aber da sie ja sehr perlenähnlich aussehen, lag es nahe, irgendein Schmuckstück daraus zu basteln. Challenge accepted! Total motiviert von der Idee legte ich direkt los. Für eine Kette brauchte ich nicht viel. Ich nahm ein Lederband und irgendetwas, worin ich die Perlen befestigen konnte – einen Kronkorken einer Bierflasche. Tatsächlich funktionierte es super, und als ich später mein fertiges Kunstwerk meiner Familie und meinen Freunden präsentierte, verschwieg ich erstmal, dass diese „Perlen“ Gallensteine sind. Es fiel auch keinem auf, alle fanden die Kette eine super Idee. Hatte irgendwas Spezielles und Einzigartiges. Als ich diesen Gedanken so weitergesponnen hatte, überlegte ich mir, einfach selber Schmuck herzustellen – natürlich dann mit richtigen Perlen. Die Gallenstein-Kette ist natürlich nur ein Erinnerungsstück für mich. Ich deckte mich also ein mit allen nötigen Materialien und hatte kreative Ideen ohne Ende.

Etwas handwerkliche Begabung hatte ich ja zum Glück. Ich fing mit ganz simplen Ketten an, die verschiedenfarbige Perlen oder Muster hatten. Mit der Zeit perfektionierte ich meine Arbeit, und auch jetzt probiere ich immer wieder Neues aus. Jede Kette ist anders gestaltet und somit ein Einzelstück – wie ich es im Prinzip in der Statistik auch war. Als ich fürs Erste genug Ketten hatte, erstellte ich mir einen Instagram-Account, um meine handgemachten Ketten und Armbänder einfach mal der Welt zu zeigen und Reaktionen einzufangen. Ich muss sagen, ich war selbst erstaunt, denn offenbar kommen die Ketten richtig gut an. Durch diesen handgemachten Schmuck habe ich endlich etwas gefunden, bei dem ich neben dem Studium etwas kreativ sein kann und was mir unglaublich viel Spaß macht.

Die Botschaft, die ich selbst durch diese Geschichte gelernt habe, ist, dass man auch aus schlechten Erfahrungen immer das Beste machen kann und auch sollte. Hätte ich damals keine Gallensteine gehabt, wäre ich wahrscheinlich nie auf diese Idee gekommen. Mittlerweile habe ich schon über 60 verschiedene Ketten angefertigt und bereits über 700 Follower. Bisher ist das auch nur ein schönes Hobby für mich und ich verkaufe die Schmuckstücke nebenbei im Onlineshop Etsy. Wer weiß, was die Zukunft bringt, aber ich bin jetzt schon froh, dass andere Menschen meine handgemachten Ketten und Armbänder mögen, und hoffe, dass ich noch viele kreative Ideen habe.
You can’t buy love, but you can buy handmade – and that’s kind of the same thing.

Instagram: www.instagram.com/kronkette_official/
Etsy-Onlineshop: www.kronkette.etsy.com