Die Idee für SMS-Concierge-Dienste entstand Anfang 2015 in den USA. Ein junger Unternehmer gründete als kleines Nebenprojekt namens Magic. Auf einer provisorisch eingerichteten Website stand eine Telefonnummer, an die man jeden Wunsch schicken konnte, der dann erfüllt wurde. Zusätzlich zum Kaufpreis berechnete der Dienst eine Provision. Der Andrang war so groß, dass viele bis zu sechs Wochen warten mussten, ehe sie den Dienst nutzen konnten.

GoButler hat dieses Konzept im Mai nach Deutschland gebracht, für Publicity hat Joko Winterscheidt gesorgt, der auch in die Idee investiert hat. Vom amerikanischen Vorbild unterscheidet sich GoButler in zwei Punkten: Zum einen werden auch Dinge erledigt, die nichts kosten, wie Tischreservierungen oder das Vereinbaren von Terminen. Zum anderen ist der Dienst für den Nutzer kostenlos. GoButler bekommt eine Provision von den Dienstleistern, an die es die Aufträge vergibt. Das bedeutet aber auch, dass Waren grundsätzlich bei Amazon bestellt werden. Beim Konkurrenten eBay bestellt der Dienst selbst dann nicht, wenn es den Artikel nur dort gibt.

Seit ein paar Monaten beauftrage ich den Butler jetzt in lieb gewonnener Regelmäßigkeit mit allen möglichen Dingen und merke, wie ich faul werde. Ich könnte diese Dinge auch selbst tun, aber so kann ich es auch von unterwegs tun und außerdem ist es netter. Der Butler tut zumindest so, als machte er die Dinge gern, auf die ich keine Lust habe. Und er bringt ein bisschen Menschlichkeit in das kalte Internet. Statt mich durch Flugbuchungsseiten zu klicken, schreibe ich jetzt mit einem Menschen. Manchmal bin ich diesem Menschen dankbar. Wenn er Service-Hotlines anruft, weil eine Seite nicht funktioniert, oder sich durch Warteschlangen kämpft, um eine Rücksendung zu organisieren. Meistens macht der Butler sowas sehr gewissenhaft und fragt bei Problemen so lange nach, bis sie geklärt sind.

Mit der Zeit bin ich dazu übergangen, manche Dinge wieder selbst zu erledigen. Bei einer Flugbuchung sehe ich lieber alle Optionen auf einen Blick, statt immer wieder fragen zu müssen.

Nun habe ich keine Wahl mehr: Anfang Januar hat GoButler sein Berliner Büro geschlossen und sich aus dem deutschen Markt zurückgezogen. Man will sich auf den Markt in den USA konzentrieren, außerdem sollen Anfragen in Zukunft hauptsächlich automatisiert beantwortet werden. Man arbeite zurzeit an einem entsprechenden Programm. Sie wird also doch wieder kalt und elektronisch, die Internetwelt. Ich erzähle Siri von meinem Kummer. „Wenn ich eine hätte, dürftest du dich an meiner Schulter ausweinen“, tönt es aus dem Lautsprecher.