Berlin, Berlin, wir (heißt: der Peter und ich) fahren nach Berlin. Die Frage, die bleibt: Wo können wir bezahlbar wohnen, ohne in der letzten Absteige zu landen? Wir haben Airbnb ausprobiert!

Ein Hotelzimmer in der Nähe des Alexanderplatzes kostet ab 80 Euro pro Nacht. Airbnb, ein Portal aus den USA, verspricht, Abhilfe zu schaffen. Auf der Seite können Privatleute freie Zimmer in ihrer Wohnung für Touristen anbieten. Wir finden ein Zimmer für 50 Euro pro Nacht. Zusätzlich verlangt Airbnb eine Buchungsgebühr von ca. 10 %.
Drei Tage bei Fremden in der Wohnung leben – das haben wir noch nie gemacht und wir wissen auch nicht, was auf uns zukommt.
Statt des angeklebten Lächelns einer Rezeptionistin erwartet uns das Grinsen eines Siebenjährigen, der uns die Tür aufhält. Seine Mutter ist unsere Gastgeberin und vermietet seit zwei Monaten ein Zimmer in ihrer Wohnung, um die hohe Miete ein wenig zu verringern. An die Situation müssen wir uns erst gewöhnen, und wir wissen nicht ganz, wie wir uns verhalten sollen: Stellen wir uns einfach in die Küche und kochen etwas? Können wir uns auf dieses gemütlich aussehende Sofa setzen? Nach eingängiger Besprechung in unserem Zimmer erledigen sich beide Fragen dann von alleine: Wir werden zum Abendessen eingeladen und das Sofa wird heimlich ausprobiert, als wir alleine zu Hause sind (ist tatsächlich gemütlich).

Wir überlegen, wie es wohl für die andere Seite ist, wenn Fremde in der eigenen Wohnung leben. Unsere Gastgeberin sieht die Sache locker: „Wir haben sehr gerne Gäste und wir empfinden es nicht so, als wären Eindringlinge in unserem privaten Haushalt. Das kommt vielleicht auch daher, dass wir vorher ein Au-pair-Mädchen hatten. Aber es gab eine Situation, da war es schon sehr merkwürdig: Wir hatten Freunde zu Besuch und Airbnb-Gäste, die noch nicht ausgecheckt hatten, gleichzeitig kamen schon neue. Unsere Freunde waren total schockiert. Da habe ich gemerkt, dass das für andere anscheinend skurriler ist. Wir fanden es eher lustig.“
Ihr gefällt die Erfahrung mit Airbnb insgesamt sehr gut: „Ich finde es schön, zu sehen, wie positiv alle immer auf unsere Kinder reagieren. Ich hatte Sorge, dass die Kinder vielleicht ein Problem damit haben könnten. Aber jetzt ist es eher andersrum und mein Sohn freut sich immer schon auf die nächsten Gäste. Die sind immer alle super nett und sprechen mit den Kindern, auch wenn sie gar kein Deutsch können.“

Doch unsere Gastgeberin erzählt uns auch von der anderen Seite von Airbnb, die vor allem in Berlin sichtbar wird. Viele Gastgeber mieten Wohnungen nur, um sie dann für mehr Geld an Touristen zu vermieten. Das widerspricht nicht nur der eigentlichen Idee des Portals, sondern ist in Berlin aufgrund großer Wohnungsknappheit ein echtes Problem. Dabei werde Einheimischen der ohnehin rare Wohnraum weggenommen, kritisieren viele. Die Kommunalpolitik hat reagiert und eine Internetseite eingerichtet, auf der man Nachbarn, die ihre Wohnung untervermieten, anonym melden kann. Das hat viel Empörung in den Medien ausgelöst, die Süddeutsche Zeitung sah Parallelen zum Denunziantentum in der DDR und kommentierte, der Rechtsstaat solle „gar nicht damit anfangen, solche Tabus zu relativieren“ (SZ vom 4. Juni).

Airbnb reagierte auch prompt mit einer Petition für „klare Regeln für Home-Sharing“ und der Differenzierung zwischen „Home-Sharing und professioneller Ferienwohnungsvermietung“.
Mit „airbnb action“ will das Portal weltweit politisch Einfluss nehmen und so Gesetze gegen Home-Sharing verhindern. Dabei befindet sich das Start-up in einer ähnlichen Lage wie „Uber“, nur dass es nicht gegen die Taxibranche, sondern gegen Hotelbetreiber und Skeptiker ankämpfen muss. Start-ups wie Airbnb revolutionieren viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Dadurch kann vieles einfacher und günstiger werden, doch wenn die Entwicklung falsch verläuft, werden auch viele darunter leiden.
Uns haben die drei Tage in Berlin auf jeden Fall gut gefallen. Es war persönlicher, netter und günstiger als im Hotel (und wir haben versprochen wiederzukommen).

Hier das dazugehörige Video von Jakub und Peter: