Gedankenverloren starrst du morgens auf die Müslipackung und gehst die Liste der Zutaten durch. Wie langweilig. Aber halt – da fällt dir auf, dass du von manchen Inhaltsstoffen gar nicht weißt, was sie genau sind. Was zum Beispiel ist Palmöl, eine Zutat, die sehr weit oben auf der Liste steht?
Wenn du das Wort „Palmöl“ hörst oder liest, hast auch du keinen blassen Schimmer, wovon die Rede ist? – Da bist du nicht allein. Obwohl die meisten täglich in vielen Produkten Palmöl konsumieren, beschäftigen sie sich kaum damit, was dieser Inhaltsstoff eigentlich für eine große Bedeutung für uns und unsere Umwelt hat. Der Palmölverbrauch hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre weltweit auf 30 Millionen Tonnen verdoppelt und über 90 Prozent des Palmöls sind für den europäischen Markt bestimmt. Aber was genau ist dieses mysteriöse Palmöl überhaupt?
Palmöl ist ein pflanzliches Fett, das aus Ölpalmen gewonnen wird. Diese kommen mittlerweile in allen Tropenregionen (beispielsweise in Afrika, Südamerika und Asien) vor und werden auf Plantagen angebaut. Rohpalmöl hat eine orangerote Farbe und wird aus dem Fruchtfleisch gepresst. Es gibt jedoch auch Palmkernöl – das ist farblos und etwas fester und wird aus den Samen der Pflanze gewonnen. Nach diesem Vorgang werden Palmöl oder Palmkernöl weiterverarbeitet.

Plamöl steckt inzwischen in fast jedem zweiten Produkt

Wenn man bedenkt, in welchen Mengen wir Palmöl konsumieren, fragt man sich automatisch, woran es liegt, dass es zum weltweit wichtigsten Pflanzenöl geworden ist. Dafür gibt es einige Gründe, aber die ausschlaggebendsten sind wohl die, dass es besonders billig und sehr leicht zu verarbeiten ist. Palmöl befindet sich mittlerweile tatsächlich in fast jedem zweiten Produkt im Supermarkt, und zwar hauptsächlich in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten. Das reicht von Schokolade, Keksen und Chips über Fertiggerichte bis hin zu Suppen und noch einigem mehr. Bei Kosmetik wird meist Palmkernöl verwendet, zum Beispiel in Creme, Seife, Sonnenmilch und Lippenstiften. Und in vielen Reinigungsprodukten, Duschgels und Shampoos sind sogenannte Tenside enthalten, die man ebenfalls aus Palmkernöl herstellt. Außerdem findet Palm- oder Palmkernöl Verwendung in Farben, Kerzen und Lacken. Das zeigt, wie vielseitig Palmöl einsetzbar ist.
Zwar gibt es einige positive Seiten an Palmöl (beispielsweise der geringe Preis), doch leider gibt es mindestens genauso viele Gründe, die gegen Palmöl sprechen. Angefangen bei den riesigen Flächen des Regenwalds, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Dabei werden schädliche Gase wie Methan und natürlich CO2 freigesetzt, die der Umwelt schaden. Da Regenwälder sehr viel Kohlenstoff in sich speichern (ein Hektar Regenwald speichert etwa 300 Tonnen Kohlenstoff), wird dieser bei der Rodung freigesetzt. Das wirkt sich erheblich auf den Klimawandel aus. Und nicht nur das – durch die verschwindende Fläche des Regenwalds verlieren auch Arten wie der Tiger oder der Orang-Utan ihren Lebensraum. Ob Palmöl nicht nur für die Umwelt, sondern womöglich sogar für unsere Gesundheit schlecht ist, ist jedoch noch unklar. Doch manche Wissenschaftler glauben, dass Palmöl an der Entstehung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes beteiligt sein könnte. Dies sind aber nur Vermutungen, die bisher noch nicht belegt werden konnten.
Bei all diesen erschreckenden Fakten bleibt doch die Frage offen, wieso dem hohen Palmölkonsum nicht Einhalt geboten wird. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es schon einige Versuche gab, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Es gibt beispielsweise das sogenannte RSPO-Siegel, welches für „Round table of sustainable palm oil“ steht. RSPO ist eine Nachhaltigkeitsorganisation, die sich für nachhaltiges Palmöl einsetzt. Die Standards des Siegels sehen u. a. vor, dass nach der Abholzung Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden sollten. Aber ist es danach nicht schon zu spät? Diesen Punkt kritisierten bereits viele Menschen, und vermutlich ist das auch einer der Gründe, weshalb sich das Interesse und die Nachfrage nach zertifiziertem Palmöl in Grenzen hält. Sogar der RSPO-Präsident selbst gab zu, dass der sogenannte Raubbau durch das Siegel nicht abgenommen habe. Indem wir nur noch Produkte mit Siegel, die scheinbar nachhaltigeres Palmöl versprechen, kaufen, können wir also leider auch nicht viel verändern.

Welche Alternativen gibt es?

Heißt das nun, dass es bisher keine andere Möglichkeit gibt, als möglichst wenig oder sogar gar kein Palmöl mehr zu konsumieren, wenn man sich dagegen einsetzen will? Ganz so kann man das nicht sagen. Es gibt nämlich einige alternative Öle, die bereits statt Palmöl Verwendung finden – dazu gehört beispielsweise Rapsöl, das für die Produktion von Tensiden für Reinigungsmittel verwendet werden kann. Doch das Problem ist, dass für alle anderen Öle mehr Fläche für den Anbau benötigt wird als für Palmöl. Eine andere Alternative, die noch nicht auf den Markt gebracht wurde, ist ein spezieller Hefepilz, der Metschnikowia pulcherrima heißt und unter bestimmten Produktionsbedingungen dem Palmöl ähnliche Eigenschaften entwickelt. Wissenschaftler arbeiten jetzt daran, diese Art von Hefe so bald wie möglich industriereif zu machen. Außerdem ist es ja sehr schwierig, da mittlerweile in den meisten Produkten im Supermarkt und sogar im Bioladen Palmöl enthalten ist – besonders in Ersatzprodukten für Vegetarier und Veganer, denn in solchen wird häufig statt tierischer Fette Palmöl verarbeitet.
Bis es also eine einwandfreie und endgültige Lösung des „Palmölproblems“ gibt, wird es wohl noch eine Weile dauern und es wird mit viel Aufwand verbunden sein. Falls du aber ab jetzt bewusster darauf achten möchtest, weniger Palmöl zu verwenden, kannst du zum Beispiel Fertiggerichte und Ersatzprodukte meiden, so gut es geht, und stattdessen auf möglichst viele frische Zutaten beim Kochen zurückgreifen. Außerdem kannst du dich im Internet informieren, welche Produkte Palmöl enthalten und welche nicht (zum Beispiel auf www.produkte-ohne-palmoel.com).