Was sind heute die Aufgaben der Zollbeamten in Deutschland? Yannick Schornstein sprach mit Elke Willsch, der Pressesprecherin des Hauptzollamts Aachen, sowie Nathalie (23) und Sebastian (30), zwei Beamten, die ihre Ausbildung vor kurzem abgeschlossen haben, über die Laufbahnen, die man beim Zoll einschlagen kann. Obwohl nach der Einführung der Europäischen Zollunion und den Erweiterungen der EU 2004, 2007 und 2013 die innereuropäischen Grenzübergänge nicht mehr kontrolliert werden, sind die Aufgaben des deutschen Zolls nicht weniger geworden – unter anderem ist die Bundesbehörde mit der Bekämpfung der Schwarzarbeit betraut, stellt die Einnahmen der Bundessteuern sicher und geht im Inland gegen Drogenschmuggel vor.

a52 // Nathalie, Sebastian, warum habt ihr euch für die Ausbildung beim Zoll entschieden?
Sebastian: Vor allem ist es ein sicherer Arbeitsplatz; man wird Beamter. Außerdem ist es kein reiner Schreibtischjob; der Beruf ist sehr abwechslungsreich. In meinem Aufgabenbereich ist es vorgesehen, dass man regelmäßig am Dienstsport teilnimmt und Schießen und waffenlose Selbstverteidigung trainiert.
Nathalie: Wegen der Vielfalt. Es gibt wirklich so viele Aufgabenbereiche beim Zoll, dass jeder irgendwo seinen Platz findet.

a52 // Nathalie, du hast an der Universität des Zolls, dem Bildungs- und Wissenschaftszentrum in Münster, studiert. Inwiefern unterscheidet sie sich von „normalen“ Universitäten?
Nathalie: Die Wohneinheiten der Studenten, Lehrsäle, Mensa und Sportmöglichkeiten sind auf einem großen Gelände, dem Campus der Universität, zusammengefasst; man ist in feste Kursen eingeteilt, die auch auf einem Flur untergebracht sind. Insofern bilden sich schnell Gemeinschaften, weil man ja von morgens bis abends zusammen ist. Das Studium ist komprimiert und dauert nur drei Jahre, Studien- und Praxisphasen wechseln sich ab. Das ist ein bisschen stressig, weil man oft viel nacharbeiten muss, aber natürlich gibt es trotzdem auch Freizeitmöglichkeiten.
Elke Willsch: Unsere Nachwuchskräfte werden während der Zeit an der Uni übrigens auch schon bezahlt. Hinzu kommt, dass die Vorlesungen nicht in großen Hörsälen stattfinden, sondern im Klassenverband von 28, 30 Studenten, d. h., es geht persönlicher zu; es ist nicht so anonym.

a52 // Zu den Anforderungen, die an Zöllner gestellt werden, gehört auch emotionale Stabilität. In welchen Situationen ist diese Eigenschaft vonnöten?
Elke Willsch: Es können sich Konfliktsituationen ergeben; z. B., wenn im Außendienst bei einer Prüfung derjenige, der geprüft wird, nicht mitwirken möchte oder versucht, sich der Kontrolle zu entziehen. Unternehmer, die ihrer Auskunftspflicht nicht nachkommen. Man sollte auch in Stresssituationen emotional stabil sein und angemessen reagieren.

a52 // Wie prüft der Zoll die körperliche Eignung der Bewerber?
Elke Willsch: Wenn man sich um eine Ausbildung im mittleren Dienst bewirbt, muss das bronzene Sportabzeichen entweder zum Zeitpunkt der Bewerbung oder bis zum Juni des Einstellungsjahres vorgelegt werden und es darf nicht älter als ein Jahr sein. Die sportlichen Anforderungen, die wir an unsere Nachwuchskräfte stellen, sind nicht immens hoch. Wer sportlich ist, schafft das.

a52 // Nathalie, ihr beide kommt ja aus NRW und arbeitet, wie ihr es beantragt habt, in Aachen. Als Bundesbehörde kann euch der Zoll aber in Zukunft theoretisch überallhin versetzen. Wie denkt ihr darüber?
Nathalie: Genau; man stimmt zu, dass man bundesweit versetzt werden kann. Allerdings wird meiner Erfahrung nach sehr viel dafür getan, dass man die angegebene Wunschstelle auch bekommt. Ich finde es gut, dass man die Möglichkeit hat, bundesweit zu arbeiten: An der Universität finden natürlich viele einen Partner aus einer anderen Ecke Deutschlands. In dem Fall kann man sich versetzen lassen und etwas Neues aufbauen, was bei anderen Jobs sicher so nicht möglich ist.

a52 // Was hat euch an der Tätigkeit beim Zoll besonders überrascht?
Natalie: Viele verbinden mit dem Zoll ja nur Flughafen, Grenze, Drogenschmuggel. Aber wir haben ja auch viele andere Bereiche; zum Beispiel Naturschutz (der Zoll unterbindet z. B. den internationalen Handel mit vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten; Anm. d. Redaktion). Meine Hausarbeit im Studium habe ich zum Beispiel über Abfallrecht geschrieben; der Zoll hat hier vor allem die Aufgabe, die Ordnungsmäßigkeit bei Ausfuhren von Abfall in andere EU-Staaten oder ins nichteuropäische Ausland sicherzustellen. Die Vielfalt der Aufgaben hat mich schon überrascht.

a52 // Hat es während der Ausbildung einen besonders schönen Moment gegeben, an den ihr euch gerne zurückerinnert?
Sebastian: Ja, als ich die Laufbahnprüfung bestanden habe.
Nathalie: Wirklich, das Schönste ist, wenn man gesagt kriegt, dass die Prüfungen bestanden sind und man’s geschafft hat. Gegen Ende des Studiums müssen in kurzer Zeit sechs Klausuren geschrieben werden; das war eine Herausforderung.

a52 // Was würdet ihr denjenigen, die eine Karriere beim Zoll in Erwägung ziehen, raten? Wie lässt sich feststellen, ob man zum Zoll passt?
Nathalie: Das ist im Vorhinein schwer abzuschätzen, weil es bei uns so viele Aufgaben gibt. Wenn man sich mit der Materie beschäftigt und merkt, dass es einen interessiert, sollte man’s ausprobieren; das ist ja bei den meisten Sachen so. Ich würde es den Leuten jedenfalls nahelegen.
Sebastian: Es gibt so viele Sachen, die man beim Zoll machen kann. Vor allem finden nicht nur Leute, die gerne im Team arbeiten und kommunikativ sind, eine geeignete Stelle (zum Beispiel am Flughafen), sondern auch stillere  Arbeiter. Es gibt Abteilungen, in welchen nur im Innendienst gearbeitet wird; das sind dann eher typische Bürojobs.
Nathalie: Jura sollte einem gefallen, das Recht ist die Grundlage unseres Handelns. Jura ist auch wichtiger Bestandteil des Studiums.
Elke Willsch: Natürlich verfügen die wenigsten Auszubildenden zu Beginn der Ausbildung schon über juristische Kenntnisse, aber es ist ganz wichtig, das Lesen und Anwenden von Gesetzen zu lernen. Man muss sich im Studium in kurzer Zeit sehr viel selbst erarbeiten. Bei kontinuierlichem Lernen ist das aber durchaus zu schaffen.

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Infos

Gehobener Dienst
Voraussetzung: Abitur oder Fachhochschulreife
Dauer der Ausbildung: 3 Jahre
Verdienst: 1.158,38 Euro

Mittlerer Dienst
Voraussetzung: mind. Realschulabschluss bzw. Hauptschulabschluss und abgeschlossene Ausbildung im Rechtsanwalts-/Steuerbereich.
Ausbildungsdauer: 2 Jahre
Verdienst: 1.103,99 Euro
Bewerbungszeitraum für Einstellungen zum 01.08.2017: 01.04. bis 23.09.2016

Fotos // Zollbehörde