Klaus Paier (1945–2009) bemalte in den 80er Jahren nachts die Wände und Gebäude von Aachen mit Dispersionsfarbe. Durch sein Physikstudium an der RWTH in Aachen wurde ihm die Gefahr der Atomkraft bewusst und er stellte diese immer wieder in seinen Bildern dar. Das Besondere an seinen Bildern waren aber nicht nur die gesellschaftskritischen Botschaften, sondern auch die Darstellungsweise mit verschiedenen leuchtenden Farben und die eckig-kantigen Figuren.

Immer, wenn er ein Bild malen wollte, ging er wie folgt vor: Zuerst fertigte Paier eine Skizze an, die er dann entweder ausmalte oder die Farben daneben schrieb. Nachts grundierte er zuerst eine Wand, dann fing er an die Umrisslinien der Figuren an die Wände oder Mauern zu malen. In der nächsten Nacht füllte er die Formen und Figuren mit Farbe. Er nahm oft Bezug auf eine konkrete Situation oder auch auf einen Zeitungsartikel und seine Bilder waren in einem expressiven Stil gemalt. Da diese Art der Wandmalerei eine vergleichsweise langsame Maltechnik war, benötigte er mindestens zwei Nächte um seine Wandbilder zu vollenden. Diese wurden erstmals von Verantwortlichen der Stadt weggeätzt, später jedoch, beschloss der Aachener Stadtrat, die noch existierenden Bilder zu erhalten. Heute steht sogar ein Wandbild unter Denkmalschutz. Sein erstes Werk, „Es herrscht immer Krieg in den Fabriken“, malte er 1978 und sein letztes Werk, „Zwischen den Tagen“ 1983. Zu allen Bildern, außer zu dem Bild „Der Schwimmer“, sind noch die Originalskizzen vorhanden, die von Thomas Paier, dem Bruder von Klaus Paier verwahrt wurden.

1984 hat Wolfgang Becker, der damalige Direktor des Ludwig Forums, 23 Fotos seiner ca. 100 Werke angekauft und ausgestellt. Zu dieser Zeit war der Name des Künstlers jedoch noch nicht offiziell bekannt.

Zu Klaus Paier und seinen Bildern findet vom 09.04. bis zum 01.10.2017 die Ausstellung „Optische Schreie – Der Aachener Wandmaler Klaus Paier“ im Ludwig Forum statt. In einem Raum der oberen Etage werden Fotos von einigen seiner Werke und die Originalskizzen dazu zu sehen sein. Es läuft auch ein Video, auf dem Paier – damals noch verkleidet – interviewt wurde.
Für Jugendliche bis 21 Jahren ist der Besuch des Ludwig Forums übrigens kostenlos!

Text: Alina Langreck
Foto: Klaus Paier, Atomenergie bringt den Tod (1978)
Geschwister-Scholl-Straße Aachen | Foto: Paier/Stöhr