Irgendwann beim Kaffee trinken mit ihren Freunden und ihrer Mutter ist die Entscheidung gefallen: In dieser kleinen Arbeiterstadt in der es weder eine Bibliothek noch ein Kino noch ein Theater gibt muss eine Möglichkeit für Menschen entstehen, die sich mit Kultur beschäftigen wollen. So beschreibt Dinah Ipsen die Gründung der „Casita del Arbol“, meines Projekts in Nicaragua.
Ich bin Freiwilliger hier, für ein Jahr. Mache ein „FSJ“, eine der Standardantworten für Zukunftspläne (neben „Studieren“ und „weiß nicht“).
Mein Projekt hat (auch eine Standardantwort von jungen Menschen): kein Geld. Also auch kein Geld um Angestellte zu bezahlen, die Bücher und Spiele ausleihen und Kurse leiten, streichen, und putzen. Die einzige Möglichkeit, die Casita die ganze Woche über öffnen zu können sind also Freiwillige wie ich.

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Die Arbeit mit deutschen Freiwilligen ist aber nicht immer einfach, sagt Dinah: „Man fängt jedes Jahr wieder von vorne an und dafür brauchen wir sehr viel Geduld“. Nach einem Jahr immer wieder: Neustart. Das kann frustrierend sein, auch für die Freiwilligen. „Sie können Entwicklungen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden, nicht sehen und verlieren deshalb manchmal schneller die Motivation. Ich kann sehen, wie sehr sich ein Kind in den letzten vier Jahren entwickelt hat. Aber davon sehen vier Generationen von Freiwilligen nicht so viel“. Das kann besonders frustrierend sein, wenn Freiwillige zu viel erwarten (jegliche Armut beenden und Hundewelpen aus brennenden Autos retten).
Zu wenig Engagement dagegen kann auch enttäuschend sein, dann allerdings für das Projekt-Team: „Es ist wichtig, dass die Freiwilligen wirklich kommen, um zu arbeiten. Viele denken sich vielleicht, ein FSJ ist nur ein Jahr Urlaub und Spaß, aber es gibt auch viel Arbeit die nicht so viel Spaß macht.“, sagt Dinah.
(Alle, die gerade ihr geplantes FSJ absagen, mögen bitte noch weiterlesen.)
„Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass alle Freiwilligen selbstbewusster und stärker zurückgingen, als sie gekommen waren. Die Herausforderungen, denen man sich stellen muss, lassen einen wachsen.“
Ich freue mich auf die Zeit hier und merke schon jetzt, dass sie schneller vergeht, als mir lieb ist.

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