345.000 Besucher in vier Tagen – das erschien unserem Autor Moritz doch etwas zu viel. Er befragte Kathrin Münker, Kommunikationsmanagerin der Koelnmesse GmbH zu den Besucherzahlen und dem Sicherheitskonzept.

Auch dieses Jahr war ich auf der gamescom auf dem Gelände der Koelnmesse GmbH. Waren es 2008 grade mal 220.000 Besucher, sind es dieses Jahr 345.000 Besucher gewesen davon waren alleine 33.200 Fachbesucher am Fachbesuchertag am 4. August vor Ort.
Ich war alle 5 Tage beim Jugendforum dabei, auch am Fachbesuchertag, der meiner Meinung schon sehr voll war. Auch im Jugendforum haben sich Jugendliche über die Menschenmassen beschwert. Man stand unter ständigem Stress und konnte auf dem Weg durch die Gänge zu den Terminen nicht kurz stehen bleiben und eine Pause machen, sondern wurde von den Menschenmassen weitergedrängt. Bei den Eingängen in die verschiedenen Messehallen war das besonders stark der Fall.

Davon abgesehen, dass die Schlangen bei den Spielen so lang waren, waren die Messehallen überfüllt, zum Teil wurden die Besucher umgeleitet oder Wege wurden abgesperrt. Die vollen Gänge erinnerten mich an die Loveparade in Duisburg. Ich hatte den Eindruck es gäbe keine Ausweichmöglichkeiten. Samstags wurden die Besucher aufgrund von Überfüllung nicht mehr in die Halle gelassen, doch sagte man uns am Eingang Süd, dass es in einer Messehalle eine kleinen Brand gebe. Doch komischerweise wusste die Security an allen anderen Eingängen nichts davon. Sie meinten sie hätten die Anweisung bekommen, dass kein Einlass mehr gewährt werden darf. Im Pressebereich sagte man uns, dass es tatsächlich einen kleinen Brand in einer Messehalle gegeben habe, der wieder behoben sei, doch gab es keinerlei weitere Infos. Ich betrachte diese Sache mit Sorge.
Wenn 2016 noch mehr Besucher kommen, mag ich mir nicht vorstellen, wie es dort drinnen aussieht. Für mich war der Spaß an der diesjährigen Gamescom gedämpft, auch wenn ich gern die neuen games und technischen Neuerungen sehe.

Wir haben bei Kathrin Münker, Kommunikationsmanagerin der Koelnmesse GmbH nachgefragt, was sie zu den Besucherzahlen sagt.

1) Dieses Jahr waren 345.000 Besucher auf der gamescom. War das nicht schon zu viel?
Kathrin Münker: Die gamescom ist eine Großveranstaltung und erfreut sich Jahr für Jahr ungebrochener Beliebtheit. Mit Blick auf das Kapazitätsmanagement und die Besucherlogistik sind die Sicherheit der Gäste und deren Aufenthaltsqualität oberstes Gebot für die Veranstaltung. Die Anzahl der verkauften Tagestickets richtet sich nach der gemäß behördlichen Auflagen auf dem Gelände zugelassenen Besucherzahl. Der Einlass von Besuchern mit Nachmittagstickets richtet sich zudem immer nach den entsprechenden Austritten anderer Besucher vom Gelände.
2015 hat sich die belegte Fläche auf 193.000 Quadratmeter inkl. event level vergrößert. Zudem haben zahlreiche Unternehmen ihre individuellen Ausstellungsflächen teilweise deutlich vergrößert und ihre Stände noch attraktiver gestaltet. Im Sinne eines optimalen Besuchermanagements wurden darüber hinaus die Wegführung auf dem Gelände weiter verbessert und zusätzliche Catering- und Loungeflächen geschaffen. Das Feedback auf die Anpassungen war seitens Ausstellern und Besuchern positiv.

2) Die Messehallen waren bis zum Rand gefüllt, doch hab ich gesehen, dass an den Schaltern trotzdem noch weitere Tickets verkauft wurden.
Kathrin Münker: Da die gamescom bereits vor Messebeginn für Privatbesucher an allen Tagen im Vorverkauf ausverkauft war, muss es sich bei Ihrer Beobachtung um den Verkauf der Nachmittagstickets gehandelt haben. Die Erfahrungen der Vorjahre zeigen, dass am frühen Nachmittag erste Besucher die Messe verlassen. Daher bieten wir vergünstigte Nachmittagstickets mit Einlass ab ca. 14 Uhr an den Tageskassen vor Ort an. Wartezeiten bei den Nachmittagstickets sollten immer eingeplant werden, da der Verkauf und Einlass sich nach den Austritten vom Gelände richtet.

3) An einem anderen Tag wurde um die Mittagszeit keiner mehr hereingelassen. Wie entscheiden Sie? Wieso wusste keiner von den Sicherheitsleuten Bescheid, warum keiner mehr rein durfte?
Kathrin Münker: Aufgrund des hohen Besucheraufkommens kann es beim Einlass immer zu kurzen Wartezeiten kommen. Wartezeiten sind allerdings nicht gleichzusetzen mit einem Einlassstopp. Da es einen solchen 2015 nicht gab, hat das Sicherheitspersonal korrekter Weise keine Informationen zu diesem Thema an die Besucher gegeben.

4) An einem Tag gab es Gerüchte über ein Feuer auf der gamescom. Warum sprach nur die Security am Eingang Süd davon?
Kathrin Münker: Während der gamescom 2015 gab es keinen Feueralarm.

5) Was wäre, wenn es zu einer Panik gekommen wäre?
Kathrin Münker: Generell ist die Sicherheit unserer Gäste oberstes Gebot. Wie bei Großveranstaltungen üblich, werden vor jeder Veranstaltung in enger Abstimmung mit Behörden und den internen Abteilungen das Kapazitätsmanagement und die Besucherführung und im Zuge dessen u. a. auch Evakuierungsszenarien auf die Anforderungen der Veranstaltung angepasst. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir zu dieser spekulativen Frage in diesem Fall keine weitere Stellung beziehen.

6) Sollen es nächstes Jahr noch mehr Besucher werden?
Kathrin Münker: Die gamescom 2015 war mit 345.000 Besuchern sehr erfolgreich. Aktuell ist es jedoch noch zu früh über die erwartete Besucherzahl zu sprechen. Erste Nachfragetendenzen lassen sich immer mit der Öffnung des Online Ticketshops (ca. April) absehen. Wir machen aber generell keine Angaben zur erwarteten Besucherzahl, da die endgültige Zahl immer auch vom Verkauf der Nachmittagstickets abhängt. Und die wiederum ist anhängig von den Austritten aus dem Gelände. Generell freuen wir uns, dass die gamescom sich bei Spielefans aus aller Welt weiterhin großer Beliebtheit erfreut und sind überzeugt, dass wir auch 2016 hunderttausende Besucher in Köln begrüßen werden.