Janines Smartphone hat keine Flat. Wie es ihr in der analogen Welt geht, erzählt sie hier.

„Was wollen wir jetzt nun machen, zum Bondi Beach fahren oder irgendwo in der Innenstadt ein Eis essen? Oder hast du noch eine bessere Idee?“, fragte ich meine Freundin, als wir gerade das Apartment in Sydney verließen. Es war ein wunderschöner Sommertag, blauer Himmel, die Sonne schien und ich bekam die nächsten fünf Minuten keine Antwort. Als sie dann wieder etwas schneller laufen konnte und wieder neben mir war, sagte sie: „Hab ich dir schon erzählt, was mein Freund mir gestern geschrieben hat?“ Sie hatte tatsächlich keinen blassen Schimmer, was ich eben gesagt hatte. Und das lag daran, dass sie direkt, als wir das Haus verlassen hatten, ihr Smartphone aus der Tasche holte. Ich konnte es nicht fassen. Was war denn jetzt so wichtig? Bin ich die Einzige, die kein Internet am Handy braucht? Die Einzige, die ihr Handy nicht ständig in der Hand haben muss? Was ist bloß los mit euch allen?
Ich habe kein Smartphone und bin wirklich stolz darauf. Warum? Schaut euch doch mal um, was der Medienkonsum mit uns macht. Ich saß letztens in der U-Bahn, um mich herum überall Menschen. Freunde, Paare oder Geschäftspartner, die nebeneinandersaßen. Früher hätte jeder U-Bahnen mit viel Lärm verbunden. Heute sieht das so aus: Jeder ist mit seinem Smartphone beschäftigt, und das um 7 Uhr morgens. Es ist außer den Tastengeräuschen totale Stille, als hätten alle das Sprechen verlernt. Kaum zu glauben.
Oder an einem Sonntagmorgen, wenn ich mit einer Freundin brunchen gehe und sie frage, was wir heute noch machen wollen. Wenn sie dann mal ihr Smartphone aus der Hand gelegt hat, ist der Tee auch schon wieder fast kalt und ich bekomme immer noch keine Antwort, denn sie weiß gar nicht, was ich gefragt habe – sie weiß vielleicht noch nicht einmal, dass ich etwas gefragt habe. Was kann so wichtig sein, dass man es dem Frühstück und vor allem einer Unterhaltung mit der besten Freundin vorzieht? Facebook – natürlich.
Ich bin zwar auch bei Facebook angemeldet, aber nicht mehr lange. Denn in letzter Zeit, als ich auf Facebook war, musste ich immer wieder feststellen, dass ich nichts, absolut nichts, verpasst habe. Ich brauch es nicht. Mit den Leuten, mit denen ich Kontakt haben will, kann ich es auch per E-Mail oder besser noch durch Telefonieren tun. Stellt euch vor, man kann beim Sprechen verschiedene Worte betonen und wirklich lachen. Und außerdem: Ist es nicht viel besser, Leute mal wieder so kennenzulernen, ohne gleich deren Facebook-Account abzuchecken? Nach einer netten Bekanntschaft nach der Handynummer, statt dem Facebooknamen zu fragen? Vielleicht kommt irgendwann wieder der Wendepunkt, wo alle so denken. Denn seine Erlebnisse und Erfahrungen, sei es in Form von Bildern, sollten doch der eigenen schönen Erinnerung dienen und nicht im Internet zur Schau gestellt werden. So sehe ich das jetzt. Und viele werden wahrscheinlich denken: Wer nicht bei Facebook ist, existiert im Grunde genommen gar nicht. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe noch ein Leben.
In einer Zeit, wo mir mein kleiner Cousin (6 Jahre) erklärt, wie eine App auf dem iPhone funktioniert, sollte man sich fragen, was hier eigentlich schiefläuft. Der Medienkonsum ist unglaublich gestiegen in den vergangenen Jahren, besonders das Internet, das Handy, der Fernseher und Videospiele sind die Vorreiter. Aber leider immer weniger Menschen lesen mal ein gutes Buch. Und langsam nervt mich diese Medienkonsumgesellschaft.

Vor allem die Kinder, die die neueste Technik benutzen, werden immer jünger. Sehr traurig.
Ich bin zwanzig, und somit hatte ich noch eine Kindheit. Ich würde es tatsächlich so ausdrücken. Als ich ein Kind war, gab es noch keine Handys, es gab kein Internet, keine Playstation. Die Kinder von heute würden jetzt wahrscheinlich sagen: „Hast du dich nicht gelangweilt?“ Nein, hab ich nicht. Wir haben noch draußen gespielt, und zwar den ganzen Tag, Baumhäuser gebaut, mit dem Fahrrad neue Strecken erkundet, waren am See baden, haben uns neue Spiele ausgedacht, wir waren kreativ und hatten sehr viel Spaß.
Ich bin in diese Hightech-Welt erst hineingewachsen, und deshalb würde ich behaupten, dass ich die beste Zeit erwischt habe, um auf die Welt zu kommen. Danke, Mama und Papa.

Ich bekam ein Handy in der 7. Klasse, und das auch nur, weil ich da eine längere Strecke mit dem Bus zurücklegen musste. Ich hatte eines der ersten Nokias, es war türkis und hatte
keinen Farbdisplay, aber es konnte alles, was ein Handy eigentlich nur können muss: telefonieren und Nachrichten verschicken.
Und dann ging es auch recht schnell mit der Weiterentwicklung und Neuheiten in der Technik. Laptops, Internet, Smartphones, X-Box, Playstation, und viele, viele Apps, die die Welt gar nicht braucht. Aber der Fakt, dass in jedem Gerät ein Chip eingebaut wird, damit es automatisch nach ein paar Jahren kaputtgeht, lässt nicht gerade darauf schließen, dass die Technik von heute besser ist.
Was wollt ihr mit einem 90-Zoll-Fernseher? Schaut euch doch das Fernsehprogramm an – das will und kann sich doch wirklich keiner mehr antun. Es kommt immer mehr Müll, und der in immer besserer Qualität. Herzlichen Dank.

Die Kinder von heute brauchen das Internet natürlich, um Hausaufgaben zu machen. Wir haben es damals auch geschafft, diese nur mit Hilfe unseres Gehirns und Büchern zu lösen. Kinder brauchen ein Handy, falls mal etwas passiert. Dann muss es doch aber kein Smartphone mit Internetflatrate sein. Sie wollen eine Playstation und Fifa 14. Meldet euch doch in einem Fußballverein an. Es ist natürlich auch eine Art Gruppenzwang mit dem Medienkonsum. „Aber alle haben doch ein Smartphone!“ Und sicher ist es auch schwer für Eltern, zu etwas nein zu sagen. Aber ich bin mir sicher, eure Kinder werden es euch danken. Wenn ihr nicht wollt, dass sie als Stubenhocker enden, schickt sie nach draußen zum Spielen und meldet sie in einem Sportverein an. Lasst den Fernseher mal aus und setzt euch gemeinsam an den Tisch, um Abendbrot zu essen und euch dabei zu unterhalten.

Denn wenn es weiter so geht mit der Technik, den Medien und dem ständig steigenden Konsum dieser vielen unnötigen Erfindungen, dann will ich gar nicht wissen, wo unsere Gesellschaft in ein paar Jahren gelandet ist.