Weit zu verreisen heißt oft, alles Bekannte hinter sich zu lassen, in einer Welt anzukommen, die sich in allem von der Heimat unterscheidet. Die Menschen verhalten sich anders, haben andere Kleidung, Häuser und Geschäfte sehen anders aus.
So wohl sich der Reisende in der Fremde auch fühlt, irgendwann überkommt ihn die Sehnsucht nach der Heimat. Vielleicht kommt sie langsam schleichend hoch, vielleicht übermannt sie ihn plötzlich, wenn er an sein Zuhause zurückdenkt, wenn er etwas Bekanntes riecht oder sieht. Am liebsten würde er dann nach Hause reisen oder zumindest ein Stück Heimat in die Ferne holen. Das Gefühl ist nicht neu: Auf alten Speisekarten von Zeppelin-Kreuzflügen in Afrika oder Kreuzfahren auf dem Nil findet sich nicht etwa regionale Küche, sondern deutsche gutbürgerliche Kost. Obwohl es darum geht, eine neue Kultur kennenzulernen, fühlt sich der deutsche Reisende am wohlsten, wenn er Eintopf, Weißwurst oder Schnitzel essen kann. Das Fremde wirkt befremdlich – mit einem Stück Heimat auf dem Teller oder etwas Bekanntem im Verhalten der Menschen fühlt man sich doch gleich wohler.

Während früher noch alles umständlich aus Deutschland transportiert werden musste, ist heute alles ganz einfach. Wenn ich nach einem halben Jahr als Freiwilliger wieder etwas Heimat brauche, laufe ich einfach zum nächsten McDonald’s oder Subway. Das Essen hier ist exakt, wie ich es aus Deutschland kenne, nicht eine Tomatenscheibe mehr oder weniger liegt auf dem Burger. Die Bedienung hat die gleiche Uniform an und fragt die gleichen Fragen zum gleichen Zeitpunkt. „Zum Mitnehmen?“ „Als Menü?“ An dieser Stelle bitte ich, mich nicht vorschnell zu verurteilen. Ich bin kein Fastfood-Fan und sicher sind amerikanische Ketten kein Teil deutscher Kultur, aber sie gehören irgendwie zum Alltag dazu, zu dem, was Heimat ist.
Einkaufszentren sind auf den ersten Blick wie ein kleines Deutschland. Bei Zara liegt die gleiche Kleidung in den gleichen Regalen. Es gibt sogar Winterjacken, stark reduziert, wahrscheinlich hält sich der Ansturm bei 30 0C Außentemperatur in Grenzen.
Und obwohl das alles gewohnt und bequem für mich ist, wünsche ich mir nicht, dass noch mehr davon hier entsteht (was aber der Fall ist). Eine so starke Globalisierung nimmt den Ländern ihre Einzigartigkeit. Nationale Kultur wird durch eine Corporate Identity ersetzt.

Wenn ich auf der ganzen Welt nur noch bei McDonald’s & Co. essen könnte, würde ich mich nirgendwo mehr fremd fühlen – aber auch nirgendwo mehr zu Hause. Solche Läden können überall sein und gehören doch nirgendwohin. Da ist mir mein Comedor (Imbiss) schon lieber. Ich brauchte lange, um mich an ihn zu gewöhnen. Es gibt kein Menü und ich kriege oft nicht, was ich bestellt habe. Aber er ist darin einzigartig. Ich muss ihnen vorschlagen, eine Filiale in Deutschland aufzumachen.