Sie ist jedem ein Begriff – die gleichgeschlechtliche Liebe. Nichtsdestotrotz stoßen Homosexuelle heutzutage noch immer auf Ressentiments, Ablehnung und Vorurteile. Die Ursache dafür ist häufig ganz banal: Menschen sind generell zunächst skeptisch gegenüber Dingen, die ihnen fremd sind. Um dieser Skepsis entgegenzuwirken, setzen sich die Mitglieder des „Knutschflecks“ dafür ein, über Homo- sowie Transsexualität zu informieren, um ein besseres kollektives Verständnis für alternative Formen von Sexualität zu schaffen. Annika hat die Gruppe im „Knutschfleck“ besucht.

Im „Knutschfleck“, einem Treff für Jugendliche jeglicher sexueller Orientierung, stoße ich auf viele aufgeschlossene junge Leute, die mir von ihren Erfahrungen berichten.
Philipp*, 19 und schwul, berichtet, dass es ihm bei den wöchentlichen Treffen vor allem um die Zusammenkunft mit Gleichgesinnten geht: „Hier fühlt man sich nicht mehr wie ein Alien.“
Man begegne Gleichaltrigen, die mit ähnlichen Vorurteilen wie beispielsweise „Schwule wollen immer nur Sex“ oder „Homosexuelle sind alle Paradiesvögel“ kämpfen müssen und die vergleichbare Erlebnisse teilen.

Zu den Vorteilen einer Institution wie dem „Knutschfleck“ gehört aber nicht nur der wechselseitige Austausch, sondern ebenfalls die Gemeinschaft als solche. Gerade bei einem Coming-out vor Freunden und der Familie ist es hilfreich, die Leute aus der Einrichtung als Unterstützung hinter sich zu wissen. Denn viele Homosexuelle haben Angst vor einer Ablehnung durch ihr Umfeld und vor möglicher sozialer Isolation.

Alarmierend ist, dass die Selbstmordrate junger Menschen, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen, in etwa drei- bis viermal höher ist als die ihrer heterosexuellen Altersgenossen. Der soziale Druck, sich anzupassen, um nicht aus der Reihe zu fallen, ist nämlich gerade bei homo- und transsexuellen Menschen zusätzlich größer. Diesem Druck entgegenzuwirken ist wichtig, um für alle Gesellschaftsmitglieder ein angenehmes Umfeld schaffen zu können, in dem sich jede kleinste Gruppe sicher und akzeptiert fühlt.

Deswegen ist ein Hauptanliegen des Vereins, die Aufklärung über sexuelle Vielfalt zu fördern.
Jonas*, 22 und transsexuell, erzählt: „Viele Menschen sind schon tolerant, sie wissen nur einfach zu wenig über das Thema und haben viele Fragen.“ Die Jugendlichen sprechen sich einstimmig dafür aus, dass gerade im Unterricht pubertierenden Schülern aufgezeigt werden sollte, dass eine partnerschaftliche Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen genauso okay ist wie zwischen Mann und Frau und dass beide Formen gleichermaßen Realität sind. Dies sei wichtig, um Teenagern die Angst vor der Rolle des sozialen Sonderlings zu nehmen und um einen offeneren und toleranteren Umgang zu begünstigen.
Kathrin, 26, lesbisch und Leiterin des Treffs erklärt, dass die Jugendlichen regelmäßig an Demos teilnehmen und unter anderem versuchen, potenzielle Vorurteile anderer Gleichaltriger durch Aktivitäten und Erlebnisse (wie beispielsweise durch gemeinsames Kochen) abzubauen und zu entkräften, um ein Miteinander und den Dialog anzuregen.

Der Treff findet jeden Donnerstag ab 16:30 Uhr statt. Interessierte zwischen 14 und 27 Jahren sind herzlich willkommen.
Knutschfleck e. V.
Jakobsplatz 1-3, 52062 Aachen
info@knutschfleck-online.de
www.knutschfleck-online.de

* Namen von der Redaktion geändert

(Der Text wurde in a52 Nummer 03 veröffentlicht)