Recht – Unrecht – Selbstjustiz. Schlagworte dringen aus dem Off durch die Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, während zwei Schauspieler auf die Bühne treten und das Licht erstrahlt. Carolin Sophie Goebel und Dominik Penschek führen in einer Doppelrolle als Erzähler in die Geschichte rund um den Pferdehändler Michael Kohlhaas ein. Dieser möchte seine Pferde von Brandenburg nach Sachsen bringen, wird jedoch unerwartet an der Tronkenburg des Junkers Wenzel von Tronka aufgehalten. Auf einmal soll zum Überschreiten der Grenze ein Passschein notwendig sein, den Kohlhaas aber nicht besitzt. Deshalb ist der Pferdehändler nun gezwungen, zwei seiner wertvollen Rappen als Pfand zurückzulassen.

In einem rasanten, ergänzenden Wortwechsel wird die Geschichte, welche im 16. Jahrhundert spielt, umrissen. Hierbei verwenden die Schauspieler die klassische Sprache Kleists und versetzen das Publikum so vom ersten Moment an in die Zeit der Erzählung. Bis auf einmal im Hintergrund ein Donnergrollen einsetzt und ganz überraschend ein erster Rollenwechsel stattfindet. Penschek steht nun als Michael Kohlhaas auf der Bühne und verhandelt mit dem Burgvogt der Tronkenburg, gespielt von Goebel. Ohne Verzögerung kommt es nun im Laufe des Stücks immer wieder zu Rollenwechseln. Die Handlung spitzt sich unterdessen zunehmend dramatisch zu. Nachdem Kohlhaas in Dresden erfährt, dass der Passschein ein Märchen ist und seine beiden Pferde mittlerweile durch den Einsatz zur Feldarbeit wertlos geworden sind, versucht er zunächst auf dem juristischen Weg an sein Recht zu gelangen. Als seine Klage jedoch abgelehnt wird und weitere Verhandlungsversuche im Tod seiner Frau enden, begibt sich Kohlhaas auf einen beispiellosen Rachefeldzug, der ihn zum Räuber und Mörder werden lässt. Seinem eigenen Empfinden von Recht und Unrecht folgend, schreckt er vor nichts mehr zurück.

Das Stück von Regisseur Michael Miensopust ist für Jugendliche ab 14 Jahren zu empfehlen. Es beruht auf der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist, welche in ganzer Vollständigkeit erstmals 1810 im Rahmen von Kleists „Erzählungen“ veröffentlich wurde. Miensopust bleibt nah an der klassischen Vorlage, fügt aber durch den Aspekt, dass alle Rollen von lediglich zwei Schauspielern übernommen werden, einen spannenden Twist hinzu. Während Penschek abwechselnd als Erzähler und Kohlhaas agiert, schlüpft Goebel in 14 unterschiedliche Rollen. Durch kleine Kostümänderungen – mal ist es eine Stola, mal eine geistliche Kopfbedeckung – sowie Veränderungen von Mimik, Intonation und Körperhaltung werden die Rollenwechsel augenblicklich deutlich und faszinieren die jungen Zuschauer. Besonders beeindruckend ist hierbei Goebels Inszenierung des Wenzel von Tronka, der durch plötzliche Wutausbrüche, seine verhärtete Miene und einen hysterischen Ausdruck in den Augen geradezu beängstigend wirkt und den ein oder anderen zusammenzucken lässt.

GRETA – das junge Grenzlandtheater Aachen e. V. begeistert mit ausgewählten Stücken Kinder und Jugendliche in der StädteRegion. Insbesondere klassische Themen werden für junge Leute kompakt und unterhaltsam heruntergebrochen. Pro Spielzeit bietet GRETA hierbei zwei Produktionen sowie ein umfangreiches pädagogisches Begleitprogramm für Schulklassen an. So sollen junge Menschen einen direkten Einblick in die Theaterproduktion und beteiligte Berufsfelder bekommen. Mit Kohlhaas wird GRETA jetzt 6 Wochen unterwegs sein. Die Handlung ist gut verständlich, sodass eine vorherige Lektüre von Kleists Novelle nicht zwingend notwendig ist.

Aachen: Geschwister-Scholl-Gymnasium
16.10. bis 19.10.2017, 12:00 Uhr
(am 19.10. zusätzlich um 10:00 Uhr), 20.10.2017, 10:00 Uhr

Monschau: St. Michael Gymnasium
7.11. bis 9.11.2017, 12:00 Uhr
(am 8.11. zusätzlich um 10:00 Uhr)

Stolberg: Kulturzentrum Frankental
20.11. bis 24.11.2017, 11:00 Uhr
(am 22. & 23.11. zusätzlich um 13:00 Uhr)

Alsdorf: Energeticon
13.11.2017, 11:00 & 13:00 Uhr,
14. & 15.11.2017, 10:00 & 12:00 Uhr

Gastspiel buchbar: 27.11. bis 30.11.2017 sowie 1.12. & 4. bis 06.12.2017

Buchungen für Schulen der StädteRegion sowie weitere Infos zu außerschulischen und überregionalen Buchungen:
Anja Geurtz, Theaterpädagogin Grenzlandtheater Aachen
0241 4746117, greta@grenzlandtheater.de

Foto: Kerstin Brandt