Der Aachener Künstler Käpten Nobbi wertet alte Gegenstände auf. Seine Kunst sind dabei Momentaufnahmen, die das alltägliche Leben erfrischend ungezwungen darstellen. Im September stellt er seine Werke in der Raststätte aus.

Holzplatten. Milchtüten. Kaugummis. Kronkorken. Käpten Nobbi alias Paul Sous macht aus gebrauchten alten Dingen künstlerische Unikate. Der Sechsundzwanzigjährige sammelt seine Materialien auf Werkstoffhöfen, fährt mit seinem kleinen Bulli die Straßen nach Sperrmüll ab und kümmert sich um altes Gedöns von Freunden und Bekannten. Seit etwa sieben Jahren lebt er sein Motto „Nicht wegschmeißen, da kann man noch was mit machen“ in vollen Zügen aus. Für ihn ist der Alltag die Quelle für seine Inspiration. „Ich benutze das, was ich sehe“, sagt er selbst. Einige seiner Werke haben daher etwas mit Aachen zu tun. So taucht zum Beispiel das Klenkes-Zeichen immer wieder in seiner Kunst auf. Auch Milchtüten gehören zu seinem typischen Repertoire. Mit ihnen stellt Paul Sous persönliche Alltagssituationen oder Ereignisse von Freunden nach. Die Milchtüten werden dabei zu Charakteren, die so klein und putzig sind, dass man sie irgendwie auch lieb gewinnen kann.
Käpten Nobbi hat sichtlich Spaß an seiner Arbeit, bei der er entspannen kann und die er in erster Linie für sich selbst macht. Seine Werke haben keine tiefgründigen politischen Hintergründe, sondern nehmen sich meist selbst nicht ganz ernst. Es sind Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens. Inspiration gewinnt Paul Sous aus dem ursprünglichen Gegenstand und auch aus Gesprächen mit Freunden und Bekannten.
„Motivation motiviert“, findet Käpten Nobbi . Er ist der Meinung, dass seine Kunst und seine Herangehensweise insbesondere Jugendlichen viel geben können. Man lernt dadurch, dass man etwas Großes mit Motivation und Leidenschaft durchaus alleine schaffen kann und dabei meist zusätzlich den Zuspruch und die Anerkennung von Freunden und auch Fremden bekommt.

kaepten_nobbi2Bei Pauls Sous‘ Werken sticht natürlich allen voran der typische Affe in seinem Feinrippunterhemd heraus: Käpten Nobbi höchstpersönlich. Aber wie ist er überhaupt auf den Affen gekommen? Paul Sous erzählt, dass er früher nicht verstanden hat, dass man einen Hasen oder eine Katze als Haustier haben darf, aber keinen Affen. Zur Kommunion gab es dann ein Affen-Lexikon. Von nun an erschuf er sich mit Stiften und Wasserfarben sein eigenes Haustier. Bei seinem Praktikum in einer Werbeagentur viele Jahre später begann er, den Affen einzuscannen, zu photoshoppen und auf Stickern auszudrucken. Getreu dem Vorsatz „Süße Tiere haben einfach immer lustige Namen“ entstand so der Name Käpten Nobbi. Dieser Affe in verschiedenen Variationen ist nun schon seit Jahren Pauls treuster Weggefährte.
Mehr als nur ein Affe und viele Milchtüten
Nach seiner Ausbildung zum Licht- und Reklamehersteller hat Paul Sous sein Fachabitur im Bereich Gestaltung nachgemacht und schloss Mitte 2016 sein Studium zum Handwerksdesigner ab. In seiner Kunst vereint er all seine Kenntnisse. In einigen seiner Werke sind Lichter integriert. Zudem verbindet er die Bereiche Design und Kunst sehr gut, die das Handwerksdesign ausmachen.
Paul Sous führt jedoch nicht nur seine Kunst mit Hingabe aus, sondern auch die Vermarktung übernimmt er mit viel Spaß zu einem großen Teil selbst. Mit Unterstützung von Freunden und Bekannten entwirft er Flyer und Kataloge für seine Ausstellungen, dreht und schneidet Videoteaser und betreibt eine Facebook- und eine Webseite. „Man spielt Geschäftsmann“, sagt er selbst, denn das Künstlerdasein impliziert auch das Regeln der Finanzen, Schreiben von Rechnungen, Öffentlichkeitsarbeit und Kundengewinnung. All das nimmt ebenfalls viel Zeit in Anspruch, doch insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit begeistert ihn sehr.
„Morgens aufstehen, ’nen Kaffee trinken und dann überlegen ‚Was mach ich denn heute‘, das wär schon was.“
Klar, Paul Sous hat den Traum, von seiner Kunst irgendwann mal leben zu können, aber er weiß auch, dass das verdammt schwer ist. Fest steht: Das, was er im Moment tut, ist das, was er machen will. Für ihn bedeutet dies, dass er seine Arbeit nie als Verpflichtung ansieht und ihm immer und immer wieder neue Ideen kommen. Zurzeit hilft er seinem Vater noch in dessen Firma aus, doch bis zum Ende des Jahres wünscht er sich, auf eigenen Beinen zu stehen.
Neben der Erschaffung von Werken für seine Ausstellungen übernimmt Paul Sous auch jetzt schon Aufträge. Für zwei Kinofilme hat er das Setdesign gemacht, und in seiner Werkstatt hat ein Filmdreh stattgefunden.

Next stop: Raststätte!

nobbi_klenkesNobbi, wie ihn mittlerweile alle nennen, stellt seine Werke vom 9. bis 11. September in der Raststätte in Aachen aus. Die Besucher dürfen dort sowohl ältere als auch neuere Werke erwarten. Dabei findet eine Trennung zwischen den Werken von Käpten Nobbi und denen von Paul Sous statt, denn auch seine Examensarbeit, die in einer Fotodokumentation das leuchtende Aachen darstellt, stellt er hier aus.
Am meisten freut sich Paul Sous auf die Location und das Feeling, das die Raststätte seinen Werken verleiht. Er erzählt, dass die Betreiber ihn mit offenen Armen empfangen haben und ihm bei der Planung keine Steine in den Weg gelegt haben. Er freut sich, wenn es endlich mit dem Aufbau losgeht, und noch mehr auf die Stimmung und die Gespräche bei seiner Ausstellung. Für ihn ist es eine große Ehre, seine liebsten Werke von einem Jahr Arbeit auf einer eigenen Ausstellung präsentieren zu dürfen. Nach der dreitägigen Ausstellung findet eine Woche später außerdem die Kunstroute in Aachen statt, bei der er auch dabei sein darf. „Das werden tolle drei Wochen werden“, freut er sich jetzt schon.

Mehr Infos und Fotos zu Käpten Nobbi:
www.kaeptennobbi.de | Käpten Nobbis Facebook-Seite

Ausstellungstermin: 9. bis 11. September in der Raststätte in Aachen

Foto // Linda Hügel und Paul Sous