Wenn Jugendliche sich dazu entscheiden, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, schrillen bei Eltern oft die Alarmglocken. Sie haben Angst, dass ihre Kinder zu wenig Eiweiß, zu wenig Kalzium oder zu wenig Eisen bekommen. Viele befürchten, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung dazu führt, dass die Knochenstabilität leiden könnte oder die Kinder anfällig für Krankheiten würden. Doch was davon stimmt wirklich? Was sind die Vor- und Nachteile einer vegetarischen oder veganen Ernährung?

Nein zum Klimawandel

Fleischkonsum fördert den Klimawandel. Bei der Herstellung von Fleisch, Milch und Eiern entstehen 18 Prozent aller weltweit von Menschen verursachten Treib­hausgase, die die Erde erwärmen. Durch den natürlichen Treibhauseffekt wird ebenfalls die Erde erwärmt. Das ist ein natürlicher Prozess. Ohne diesen läge die Mitteltemperatur auf der Erde bei minus 18 Grad, so der WWF. Wenn jedoch die Menge an Treibhausgasen durch uns Menschen steigt, spricht man vom anthropogenen Treibhauseffekt, der die Erde zusätzlich „aufheizt“ und den Klimawandel beziehungsweise die Erderwärmung fördert. Vegetarier sagen also indirekt auch „nein“ zum Klimawandel.
Wenn weniger Tiere für die Produktion von tierischen Nahrungsmittel gehalten würden, würden weniger Treibhausgase und Stickstoffverbindungen freigesetzt. Um Flächen für den Anbau von Futterpflanzen zu gewinnen, werden zum Beispiel Tropenwälder abgeholzt, wodurch eine große Menge Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird. Durch die anfallende Gülle wird der Boden auf Viehweiden oft überdüngt und so das Grundwasser belastet. Auch das würde bei einer vegetarischen Ernährung eingeschränkt. Für die Produktion von tierischen Produkten wird sehr viel Wasser benötigt. Auf der ganzen Welt werden 70 Prozent des Frischwassers für die Landwirtschaft beziehungsweise für den Nahrungs- und Futtermittelanbau verwendet, fand die FAO heraus. Beispielsweise braucht man 15.500 Liter Wasser, um 1 kg Rindfleisch zu produzieren, so der VEBU (Vegetarierbund), da man viel Wasser für den Anbau von Futtermitteln für das Tier benötigt. Hühnerfleisch liegt bei gut 4.000 Litern, Schweinefleisch bei knapp 6.000 (laut Water Footprint Network). Zum Vergleich:  Für die Produktion eines Kilos Kartoffeln werden nur knapp 400 Liter Wasser gebraucht, für Gemüse sogar noch weniger. Also, Vegetarier zu sein spart Wasser.

Soziales:

Es müssten weniger Futtermittel angebaut werden, wenn weniger Tiere in der Landwirtschaft gehalten würden. In die EU müssten dann 75 Prozent weniger Soja importiert werden, sagt der VEBU. So könnte es weniger Hunger in der Welt geben, da auf derselben Anbaufläche Getreide und Soja zur Ernährung der Einheimischen angebaut werden könnte.

Gesundheit:

In Deutschland werden dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zufolge jedes Jahr über 70 Milliarden Euro für die Behandlung von ernährungsbedingten Krankheiten ausgegeben. Eine vielseitige vegetarische Ernährungsform könne das Risiko für sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, meint der VEBU. Eine vegetarische Ernährung kann also die Gesundheit der Menschen verbessern.

Und, für viele Vegetarier wichtig: Es müssen keine süßen Tiere getötet werden!

Nachteile:

Aber es kann sein, dass bei der vegetarischen Ernährungsform zu wenig Eiweiß aufgenommen wird, da Fleisch ein wichtiger Eiweißlieferant ist. Eiweiß ist beispielsweise für den Erhalt von Organen und Muskeln wichtig. Um  Eiweißmangel vorzubeugen, sollte man viele Sojabohnen, Nüsse und andere Samenfrüchte verzehren, da bei ihnen ebenfalls der Eiweißanteil hoch ist. In Fleisch sind außerdem viele Mineralstoffe enthalten, die unter anderem für die Funktion der Muskeln und Nerven und für den Bau von Knochen und Zähnen bedeutend sind. Auch die essentiellen, also lebensnotwendigen, Vitamine kommen in Fleisch vor. Sie tragen zu Stoffwechselreaktionen, zur Energiegewinnung und zur Stärkung unserer Abwehrkräfte bei. Veganer können über ihre Ernährung kein Vitamin B12 aufnehmen, da dies nur in tierischen Produkten enthalten ist und zum Beispiel sehr wichtig für die Blutbildung, DNA-Synthese und Zellteilung ist. Deshalb wird Veganern empfohlen, Vitamin B12 zu supplementieren. Auch Spurenelemente wie zum Beispiel Eisen, das unter anderem für den Sauerstofftransport ins Blut und die Muskeln verantwortlich ist, sind in Fleisch enthalten. So kann es unter Umständen bei Veganern zu einer zu geringen Aufnahme von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen kommen. Jedoch belegen viele Studien, dass man sich mit einer ausgewogenen vegetarischen Kost gesund ernähren und genug Nährstoffe aufnehmen kann. Damit das auch klappt gibt es extra vegetarische und vegane Ernährungspyramiden, die die optimale Ernährung zeigen sollen.

Wenn ihr auf eine vegetarische oder vegane Ernährung umsteigen wollt, solltet ihr euch also am besten vorher genau informieren und mit euren Eltern darüber reden. Wenn ihr euch ausgewogen ernährt, könnt ihr mit einer vegetarischen Ernährung alles zu euch nehmen, was ihr braucht. Veganer sollten Vitamin B12 supplementieren. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, dass euch nichts fehlt, und ihr euch schon länger vegetarisch/vegan ernährt, könnt ihr einmal beim Arzt ein Blutbild erstellen lassen; das beruhigt dann auch eure Eltern.

Mehr Tipps, Infos, Rezepte und Co. findet ihr unter www.vebu.de

Quellen
www.wwf.de/
www.vebu.de
www.waterfootprint.org
www.planet-wissen.de
de.statista.com
www.apotheken-umschau.de
www.fleischexperten.de