Bei der Körperwelten Ausstellung in Würselen tritt der Tod in Form von über 200 Präparaten ein in die Welt der Lebenden. Die zahlreichen Ganzkörperplastinate, die den Besucher aus fast wachsam erscheinenden Augen anstarren, wirken in ihren sportlichen und grazilen Positionen besonders faszinierend. Teils mit freigelegten einzelnen Knochen, teils in doppelter Erscheinung als Skelett und davon abgelöstem Muskelsystem. Das gesamte Skelett-, Muskel und Nervensystem ist genauso eindrucksvoll dargestellt wie einzelne Organe des Verdauungstrakts, des Herz-Kreislaufsystems, des Harnsystems und des Atmungssystems. Daneben echte, winzig kleine Embryonen in verschiedenen Stadien der vorgeburtlichen Entwicklung, die so irreal erscheinen, dass man sich fast einbilden möchte es wären künstliche Rekonstruktionen.

Der Besucher befindet sich bei den Körperwelten in einer Welt, die so düster, so nah am Tod, erschreckend realistisch, aber doch faszinierend lehrreich ist, sodass man gebannt die Plastinate betrachtet und die Infotafeln liest. Dazwischen befinden sind interaktive Elemente, die dem Besucher erlauben auf einem Bildschirm sein eigenes Innenleben zu betrachten, sich selbst Blutdruck zu messen, eine Reanimation durchzuführen oder an einem Bildschirm die Schäden von Rauchern zu erfahren.

Der Körper als Spende für die Wissenschaft

Diese lehrreiche Darstellung der Wissenschaft ist ausschließlich möglich durch Körperspender: Menschen, die sich zu Lebzeiten dazu entschließen ihren Körper nach ihrem Tod der Wissenschaft zu spenden. Einer von ihnen ist Heinz Hölscher, zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes der Körperspender e. V.. Für ihn selbst war ein entscheidender Grund Körperspender zu werden, dass er nach dem Tod wie auch zu Lebzeiten der Wissenschaft dienen möchte. Er ist ausgebildeter Krankenpfleger und hat in der Rechtsmedizin gearbeitet. Für die Wissenschaft sind Körperspender eine große Bereicherung. Zu Lebzeiten sorgen sie für Aufklärung und laienhafte Erklärungen der Anatomie in Ausstellungen und bei Vorträgen. Nach ihrem Tod zeigen sie den Menschen die Prozesse und die Krankheitsentstehung im Körper. Manch einer hat eine Prothese ein anderer einen Herzschrittmacher oder eine Raucherlunge. Mithilfe von Körperspendern werden die Auswirkungen von Lebensweisen und die ganz normalen Funktionsweisen von Organen im Körper erst sichtbar.

„Wer hat etwas davon, wenn ich unter der Erde liege und mich die Würmer zerfressen?“, so Hölscher unverblümt über seinen eigenen Tod. Als weiteren Grund nennt er, dass er seinem Sohn nicht antun möchte immer zu seinem Grab zu fahren und dieses zu pflegen.

Die Entscheidung Körperspender zu sein ist jedoch laut Hölscher ein Prozess, der vielen Gesprächen bedarf. Es ist wichtig, dass ausführlich mit Angehörigen und Freunden über die eigene Entscheidung gesprochen wird. „Dies festigt die eigene Meinung und hilft der Umwelt damit fertig zu werden“, so der Körperspender. Ist die Entscheidung getroffen informiert man das Institut für Plastination und bekommt u. a. Infomaterial, einen Leitfaden und eine Verfügungserklärung zugesendet.

Dabei kann der Mensch selbst entscheiden, welche Körperteile er nach seinem Ableben spendet. Er kann zwischen der Ganzkörperplastination, Teilplastination und der Scheibenplastination wählen. Bei der Teilplastination werden einzelne Organe verwendet, während bei der Scheibenplastination der Körper eingefroren und in zwei bis acht Millimeter dünne Scheiben geschnitten wird. Dies dient dazu die Lagebeziehungen der Strukturelemente besser ausmachen zu können.

Das Plastinationsverfahren

koerperwelten_foto_linda_huegelUm den Körper oder Teile des Körpers ausstellen zu können, muss eine Konservierung stattfinden, d. h. der Körper muss haltbar gemacht werden. Nach Eintritt des Todes muss dies laut Hölscher in einem Zeitfenster von 24 bis 36 Stunden geschehen. Der Körper wird zunächst mit dem Bodymobil des Instituts für Plastination überführt. Danach findet sofort die Plastination statt. Dem Körper wird über die Arterien Formalin injiziert, sodass der Verwesungsprozess aufgehalten wird. Danach wird Haut, Fett- und Bindegewebe entfernt. Dann wird der Körper in das Lösungsmittel Azeton eingelegt, um Körperwasser und lösliche Fette zu entfernen. Im nächsten Schritt findet ein Austauschprozess statt. Das Azeton wird durch Kunststoff ausgetauscht, sodass der Körper an Stabilität gewinnt. Zum Schluss wird er mit Hilfe von Drähten, Nadeln, Klammern und Schaumstoffblöcken positioniert und mit Gas, Licht oder Wärme gehärtet.

Dieser Prozess dauert meist ca. 1.500 Arbeitsstunden und ist nach etwa einem Jahr abgeschlossen. Die 60.000 bis 80.000 Euro, die dafür in etwa benötigt werden, werden durch die Eintrittsgelder von Gunter von Hagens Ausstellungen finanziert. In einem Jahr werden etwa 800 Leichen benötigt. Laut Heinz Hölscher stellen sich jedoch zu wenige Menschen als Körperspender zur Verfügung.

Körperwelten ist noch bis 23. Oktober in Würselen zu sehen. Auf der Website der Körperwelten http://www.koerperwelten.de/ gibt’s mehr Infos über aktuelle und kommende Ausstellungen, Zeiten und Preise. Der Blog der Körperspender http://blog.koerperspender.de/ und http://www.koerperspende.de/ informiert weiterhin über die Plastination und die Körperspende.

VERLOSUNG: Wenn ihr die Ausstellung auch besuchen wollt, mailt bis zum 15. September 2016 an:
redaktion@a52magazin.de, vielleicht habt ihr Glück und gewinnt eins von 5 Tickets!