RoxiemFilms, das sind die Aachener YouTuber Philipp Ihm, Constantin Krückels und Justus Brockmann.
Die Drei haben 2014 mit ihrem Kurzfilm „Gedankenspiel“ den ersten Platz in der Kategorie Fiktion beim 3. Euregionalen Jugendfilmfestival (14 bis 18 Jahre) belegt. Zusätzlich haben sie einen Sonderpreis für den besten Film des Wettbewerbs bekommen. Im Anschluss wurde RoxiemFilms für den Webvideopreis nominiert, bei dem die drei das Finale erreichten. 2015 waren Philipp Ihm, Constantin Krückels und Justus Brockmann als Academy-Mitglieder bei der European Web Video Academy dabei.
Mona Schermuly und Lara Wyen von „a52“ haben sich mit RoxiemFilms zum Interview getroffen.

a52 // Was haben eure Freunde und Mitschüler dazu gesagt, als ihr angefangen habt, Videos auf YouTube hochzuladen? Wurdet ihr auch von Lehrern angesprochen?
Wir haben durchgehend positives Feedback bekommen. Bevor wir angefangen haben Videos auf YouTube hochzuladen, haben wir sie unseren Freunden und Mitschülern gezeigt. Viele fanden cool, was wir gemacht haben, und meinten, wir hätten uns viel Mühe gegeben. Unsere Freunde und Mitschüler fragen auch oft, ob sie mitmachen dürfen. Wir wurden auch von vielen Lehrern angesprochen, da ihnen die ernsteren Videos gefallen. Und die lustigeren fanden sie auch nicht schlecht, konnten aber nicht viel damit anfangen.

a52 // Könntet ihr euch vorstellen, die Idee eures Trailers „Vorgenießen“ in einen richtigen Film umzusetzen?
Es wäre eine echt coole Sache, aber die Vorstellung ist zu weit weg, weil es nicht so leicht machbar ist. Ein Film bedeutet viel Aufwand, viele Drehtage, sehr viel Arbeit, und der Schnitt ist echt aufwendig. Aber die Lust wäre auf jeden Fall da.

a52 // Wie seid ihr auf die Idee zu „Gedankenspiel“ gekommen?
Wir haben Gedankenspiel ja für das 3. Euregionale Jugendfilmfestivals gedreht, denn vor ein paar Jahren haben Bekannte von Philipp mitgemacht und gewonnen, und dann haben wir uns gedacht: Warum machen wir da nicht auch mit? Weil wir schon immer gerne Videos gedreht haben und es uns auch echt Spaß macht. Das Thema war Energie und wir wollten nichts Mechanisches oder Physikalisches nehmen, und dann haben wir uns gedacht: Was ist eigentlich mit der positiven Lebensenergie, die Energie im Menschen? Woher nehmen die Menschen diese Lebensenergie? Was ist mit Menschen, die das nicht haben? Der Anreiz war die Frage: Was gibt euch Energie? Und dann haben wir uns gedacht: Energie kann ja auch was Psychisches sein, wie zum Beispiel ein Lächeln. So kann man Energie nämlich auch verstehen. Und dann hat jeder von uns ein Drehbuch geschrieben, und am Ende haben wir aus allen drei Büchern ein Drehbuch gemacht.

a52 // Woher nehmt ihr eure Ideen? Was inspiriert euch?
Unsere Ideen kommen aus dem Alltag, denn man hört und sieht bestimmte Dinge und Situationen, man sammelt aber auch eigene Gedanken und Erfahrungen. Manchmal inspiriert einen aber auch ein anderes YouTube-Video oder die Ideen kommen in einer ruhigen Minute, wenn man mal gerade nichts tut.

a52 // Wurdet und werdet ihr viel von euren Freunden und eurer Familie unterstützt?
Von unseren Freunden wurden wir auf jeden Fall unterstützt, da die meisten auch sofort dabei sind, wenn wir Leute brauchen, und sie unterstützen uns echt gerne, auch wenn es mal anstrengend werden kann. Manche sagen schon vor dem Dreh Bescheid, dass sie gerne mitmachen wollen.
Unsere Eltern haben uns auch viel unterstützt indem sie uns zu Drehorten gefahren und auch bei manchen Videos mitgewirkt haben. Doch sie wollten auch nicht, dass wir kurz vor dem Abi noch Videos herausbringen. Aber mit unserer Sturheit haben wir uns durchgesetzt, und letzlich hat unser Abi ja auch nicht darunter gelitten.

a52 // Habt ihr vor, feste Upload-Tage einzuführen, jetzt wo ihr mit der Schule fertig seid und mehr Zeit für YouTube habt?
Wir dachten, wir hätten mehr Zeit, aber die ging dann ganz schnell vorbei, und auch wenn wir mehr Zeit hätten, würden wir keine festen Upload-Tage einführen, da wir sonst so unter Druck stehen würden, dass alle Videos dasselbe Format und Konzept hätten, und das wäre uns und anderen sicherlich auch zu langweilig. Wir denken jetzt auch nicht, dass wir das mit unserer Abozahl von 1.670 nötig hätten 🙂 Wir müssen ja auch nicht davon leben, wir machen das, weil es uns sehr viel Spaß macht, und deshalb lassen wir uns auch Zeit, damit die Videos so werden, dass sie uns gefallen. Das kann dann schon mal unregelmäßig sein. Das Problem bei festen Upload-Tagen ist, dass das Konzept und die Inspiration für ein Video nicht immer sofort gegeben ist, wenn man es will. Man kann kein gutes Video auf Knopfdruck heraushauen. Man steht dann so unter Druck, und es wird nicht so gut, als wenn man sich mehr Zeit gelassen hätte. Man sollte kreativ sein, und dafür braucht man mal mehr und mal weniger Zeit.

a52 // Wurdet ihr schon öfters auf der Straße erkannt? Wenn ja, was war das für ein Gefühl?
Auf der Straße schon mal. Bei Partys werden wir immer mal wieder mit „Ey, du bist doch der mit den Videos“ angesprochen. Das ist dann immer sehr lustig, aber wir kennen das jetzt nicht so wie die großen YouTuber. Es ist bei uns noch was besonderes wenn man erkannt wird.

a52 // Hättet ihr damit gerechnet, von euren Fans sogar mit LeFloid verglichen zu werden?
Nein, natürlich nicht. Es war schon ziemlich hoch angesetzt, und vor allem macht er ja eine ganz andere Richtung als wir. Trotzdem war es eine große Ehre.

a52 // Wer sind eure Vorbilder?
Constantin // Ich finde Jan Böhmermann total cool, auch wie er gesellschaftskritische Themen mit Humor verbindet, ist echt klasse. Sein Sarkasmus ist großartig, er inspiriert mich. Aber ein großes Vorbild direkt habe ich nicht. Er unterhält mich am besten.
Justus // Ich finde, die Charaktereigenschaften eines Menschen, wie zum Beispiel Selbstbewusstsein oder Optimismus, bestimmen Menschen im Einzelnen. Ich habe keine direkten Vorbilder.
Philipp // Ich sehe das wie Justus und orientiere mich gerne an Charaktereigenschaften, sowohl im Generellen als auch von Personen in meinem Umfeld.

a52 // Weil ihr einen Foto-Wettbewerb von ruf-reisen und Y-Titty gewonnen habt, durftet ihr mit Y-Titty nach Lloret de Mar reisen. Wie war das für euch?
Die Reise an sich war cool. Wir haben Y-Titty zwei, drei Mal gesehen und beim Feiern getroffen. Man kann jetzt aber nicht sagen, dass Y-Titty sich große Mühe gegeben hat und uns Spanien gezeigt hat oder so. Trotzdem war es cool, sie mal getroffen zu haben.

roxiemytitty

a52 // Was schätzt ihr besonders an Aachen und der Region?
Philipp // Ich finde es gut, dass Aachen keine riesen Stadt ist, es ist was los, es gibt viele junge Menschen, und man ist direkt im Grenzgebiet.
Justus // Aachen ist recht bekannt, aber auch nicht zu bekannt. Es ist kompakt, man kommt schnell von A nach B, und der Campus ist recht nah, Aachen ist eben eine Studentenstadt.
Constantin // Ich finde den Stadtkern sehr schön, hier leben viele offene und lustige Menschen, die anders und offen auf einen zugehen. Man merkt, dass es eine Stadt ist, in der die rheinische Frohnatur gelebt wird.

a52 // Was macht ihr außer YouTube noch gerne in eurer Freizeit?
Justus // Ich mache sehr gerne Musik, das ist auch das, was mich am meisten im Leben interessiert. Ich komponiere Musik für Videos oder spiele einfach drauf los, was ich gerade denke. Basketball spiele ich auch noch.
Phillipp und Constantin // Wir beide spielen Tennis zusammen. Ansonsten hören wir alle drei sehr gerne Musik und reden darüber, wir unternehmen sehr gerne sehr viel, fahren seit einiger Zeit – wie es sich für einen YouTuber gehört – Longboard, gehen gerne feiern und hängen mit Freunden ab.

a52 // Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wollt ihr in Aachen bleiben?
Philipp // Ich will in Aachen bleiben und hier Medizin studieren.
Justus // Ich finde Aachen und Köln cool, es hängt aber davon ab, wo ich für mein Medizinstudium angenommen werde. Ich gucke einfach, was raus kommt.
Constantin // Ich will am liebsten nach Köln und dort Medienmanagement studieren. Aachen reizt mich nicht mehr so nach 18 Jahren.

a52 // Was passiert mit eurem Kanal, wenn ihr studiert?
Wir überlegen momentan, was man für neue Konzepte auf unseren Kanal machen kann, wenn wir drei nicht mehr alle an einem Ort sind. Wir hatten uns überlegt, drei Jugendliche auf ihren verschiedenen Lebenswegen nach dem Abitur dokumentarisch zu begleiten. So etwas tut nicht jeder, und es ist auch interessant zu sehen, was sich so alles tut im Leben eines heranwachsenden Erwachsenen. Nicht Tag für Tag, nur ab und zu. Aber vielleicht können wir nach unserem Studium auch so weiter machen wie vorher. Es ist auch schwer, weil sich nach dem Abi so viel tut – wir lassen es einfach auf uns zukommen.

a52 // Könntet ihr euch vorstellen, das Drehen von Filmen hauptberuflich zu machen? Habt ihr schon einmal daran gedacht, Schauspieler, Moderator oder ähnliches zu werden?
Philipp // Ich wollte früher immer Moderator oder Kommentator werden. Schauspieler fände ich auch interessant. Aber eigentlich ist es eine brotlose Kunst, da es schon sehr viele Moderatoren, Kommentatoren und Schauspieler gibt. Daher muss man sich schon sehr früh dafür profilieren.
Justus // Musiker und Schauspieler sind, wie ich finde, sehr interessante Berufe, doch ist es sicherlich schwer, erfolgreich zu werden. Man hat keine finanzielle Absicherung und braucht auch etwas Glück, um eine Ausnahme unter vielen zu werden.
Constantin // Ich kann mir sehr gut vorstelllen, in diese Richtung zu gehen und etwas Kreatives zu machen. Ich fände es cool, später in der Filmbranche, beim Fernsehen oder im Internet bei YouTube zu arbeiten. Ich finde die Medienwelt sehr interessant, und auch Medienmanagement ist sehr cool, weil man sich da einfach kreativ ausleben kann, und das macht mir Spaß. Aber Sicherheit hat man leider nie.

a52 // Welche Tipps könnt ihr Leuten geben die auch YouTuber werden wollen?
Man sollte es einfach machen. Man lernt ja auch, indem man es macht, und es sind noch keine Meister vom Himmel gefallen. Wenn man auch schon etwas Glück hat, klappt das schon. Man sollte auch die Videos, bevor man sie auf YouTube stellt, Freunden zeigen und fragen, was sie davon halten – und auf jeden Fall die Kritik beachten und auf das Feedback hören. Wenn möglich sollte man keine YouTuber nachmachen und sich nicht verstellen. Jeder sollte das tun, worauf er Lust hat und was ihm gefällt. Auf keinen Fall sollte man sich nach irgendwelchen Maßstäben richten oder das Ziel haben, groß raus zu kommen, so wird man nur enttäucht. Eigentlich sollte mit diesen Tipps nichts schief gehen 🙂

roxiemfilms

Der Kanal von RoxiemFilms:
www.youtube.com/user/RoxiemFilms
Gedankenspiel: www.vimeo.com/81601122
Ihr wollt auch bei dem Euregionalen Jugendfilmfestival mitmachen? In diesem Jahr könnt ihr euren Beitrag noch bis zum 18. Oktober 2015 einreichen. Infos: german.ejff.eu/