Ein kritischer Blick auf die Digitale Bibliothek im Taschenbuchformat

Im Jahre 2015 gab es 3,9 Millionen E-Book-Käufer in Deutschland, das sind etwa 5,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Obwohl sich gerade die Prozentzahl ziemlich klein anhört, haben gegenüber 2010 sehr viel mehr Menschen E-Books gekauft. Vor fünf Jahren waren es nämlich gerade mal eine Million, was bei circa 80 Millionen Einwohnern nicht gerade viel ist (1,25 Prozent).

Aber das sind erst mal genug Zahlen. Viel wichtiger ist die Frage, wofür man überhaupt E-Books braucht? Das erste Argument ist ja fast immer, dass man ein Gerät hat, auf dem man seine ganze Bibliothek speichern kann. Und ich brauche dafür nicht einmal einen E-Book-Reader zu kaufen, sondern kann meine Bücher auch einfach auf dem Handy oder Tablet lesen. Dazu kommt, dass E-Books meistens billiger sind als herkömmliche Bücher. Während ich für ein Taschenbuch im Normalfall über zehn Euro ausgebe, sind es bei einem E-Book meistens zwischen fünf und acht. Außerdem muss ich nicht in den Buchladen, sondern kann mir das Buch einfach von zu Hause aus kaufen und muss nicht einmal auf die Lieferung warten, sondern kann es mir direkt auf mein Lesegerät herunterladen.

Nicht mit dem Kauferlebnis in der Buchhandlung gleichzusetzen

Für mich als Leserin ist das allerdings gar nicht unbedingt ein Vorteil. Für mich können Amazon und der Google-Book-Shop garantiert keine Buchhandlung ersetzen, egal ob eine große oder eine kleinere. Zwar kann man im Internetbuchladen jedes Buch schnell und einfach finden, aber es ist viel schwieriger einfach mal nur so zu gucken, da dem Käufer hauptsächlich Bücher vorgeschlagen werden, von denen der Anbieter glaubt, dass sie zu den vorherigen Käufen passen. Im Laden ist es viel einfacher, auch mal überraschend ein Buch zu finden, das einem gefällt. Genauso schwer ist es, einfach eine Seite in einem Buch aufzuschlagen, stattdessen kann man nur die Leseprobe lesen. Das ist zwar nicht unbedingt schlecht, aber trotzdem sagt die Mitte des Buches manchmal sehr viel mehr darüber aus als die ersten zehn Seiten. Außerdem fehlen Ansprechpartner, die einem ein Buch empfehlen können, wenn man nichts Passendes findet.
Und ob ich mir jetzt ein Taschenbuch in die Tasche stopfe oder ein ordentlich eingepacktes Tablet oder einen E-Reader, das macht in etwa die gleichen Umstände. Also wann bringen es E-Books jetzt wirklich?

Exklusives digitales Zusatzmaterial vs. die alten gedruckten Lieblingsbücher

Das erste Mal, dass ich mir überlegt habe, einen E-Reader anzuschaffen oder mir eine App herunterzuladen, war, als Harry-Potter-
E-Books veröffentlicht wurden, die es nicht als Papierbücher geben sollte. Und die Harry-Potter-Reihe ist ja lange nicht die einzige, bei der Zusatzmaterial exklusiv oder früher als E-Book veröffentlicht wird.
Dass E-Books billiger sind als „richtige“ Bücher, kann natürlich auch nicht schaden, gerade wenn man gerne und viele Neu-
erscheinungen liest und keine Lust hat, darauf zu warten, bis diese dann endlich in der Bibliothek ausgeliehen werden können.
Vielleicht würde sich auch noch das Problem lösen, welche Bücher ich mit in den Urlaub nehmen soll, allerdings nur, wenn ich mindestens die Hälfte meiner Bücher als
E-Books wiederkaufen würde. Denn da wären wir schon bei (meinem) ersten Problem. Wer jedes Buch eh nur einmal liest und dann nie wieder, kann diesen Abschnitt zwar überspringen, aber wer seine Bücher gerne zwei-, drei- oder zehnmal liest, der würde wahrscheinlich vor demselben Problem stehen. Da hat man seinen E-Reader für 150 Euro gekauft, hat sich jede Menge Bücher heruntergeladen und will in den Urlaub dann doch lieber die alten Lieblingsbücher aus Papier mitnehmen. Wofür hatte man sich noch einmal dieses schöne, kleine, schwarze Ding da gekauft?

Was kann ein E-Reader wirklich leisten?

Die E-Reader werfen für mich persönlich sowieso ein paar Fragen auf: Es heißt zwar immer, so ein E-Reader-Akku hält Ewigkeiten, aber wie lange eigentlich genau? Bei den bestbewerteten Readern sind es zwischen 14 und 28 Stunden, also schon lange genug, allerdings kommt das wie bei Handys auf einige Faktoren an, von Bildschirmhelligkeit bis zur Nutzungszeit. Das heißt, dass mit einem E-Reader neben Handy, Laptop – und was sonst noch – ein weiteres Gerät dazukommt, das zumindest dann und wann an der Steckdose hängt. Natürlich kann man auch auf so einen Reader verzichten und direkt das Handy nehmen, aber das „optimale Leseerlebnis“, wie so oft bei den Readern versprochen, bieten die nicht. Schließlich spiegeln Handy und Tablet und der Akku hält auch weit weniger lange. Ganz davon abgesehen, dass man garantiert von drei anderen nebenbei laufenden Apps abgelenkt wird, aber das ist ja noch ein ganz anderes Thema.
Genau wegen Spiegelung und Akkulaufzeit wird E-Book-Käufern oft dazu geraten, sich auch direkt einen E-Book-Reader zu kaufen. Auf dem Handy ist der Bildschirm ja auch etwas klein, und für ein Tablet kann schon mal das Fünffache des Readers an Geld ausgegeben werden. Genau so wird für E-Book-Reader damit geworben, dass sie ein besseres Leseerlebnis bieten als das ganz normale Papierbuch. Man kann schließlich die Helligkeit einstellen, die Schriftgröße verändern und Stellen markieren, ohne beim Lesen mit einem Textmarker dasitzen zu müssen. Und leichter und kleiner als ein Buch ist der Reader auch noch.

Eindrücke des E-Book-Leseerlebnisses

Ich muss zugeben, dass ich das Lesen auf einem E-Book-Reader bei weitem nicht so schlimm fand, wie ich erwartet hatte. Es war auf jeden Fall leichter, was mir aber nur aufgefallen ist, solange ich im Sitzen gelesen habe. Aber selbst mit dem leichten E-Book-Reader hatte ich es irgendwann satt, ihn die ganze Zeit hochzuheben. Die Markierfunktion brauchte ich persönlich nicht und die Bildschirmhelligkeit hat mich eigentlich eher gestört, weil sie sich dauernd verändert hat. Vielleicht kann man das ausschalten, ich hatte den Reader aber nur zwei Tage und habe mir nicht die Mühe gemacht, es herauszufinden.
Ansonsten ist es mir aber kaum mehr aufgefallen, dass ich kein „richtiges“ Buch in der Hand hatte, es sei denn, ich wollte schnell zurückblättern oder nachsehen, wie viel dünner die rechte Seite geworden ist.
Das geht natürlich auch über Seitenzahlen, allerdings haben die meisten E-Reader da so ihre Probleme: E-Books geben zunächst einmal keine Seitenzahlen mit, da diese sich ja von Lesegerät zu Lesegerät und Schriftgröße zu Schriftgröße unterscheiden müssten. Einige Reader zeigen deswegen selbst ermittelte Zahlen an, andere nur eine Prozentzahl. Beim Lesen selber stört das natürlich nicht, allerdings dann, wenn man etwas nachlesen möchte. Schließlich kann man auch nicht mit dem Daumen schnell durchblättern und hoffen, so die richtige Seite zu finden. Dafür gibt es zwar eine Suchfunktion, aber wenn es bei der gesuchten Szene kein wichtiges Schlagwort gibt bringt die auch nicht besonders viel.

Lehrbücher als E-Books kompakt dabei statt Bücher schleppen

Für mich persönlich sind E-Books nur so zum Lesen also erst mal nichts. Was ich mich allerdings frage: Könnten wir sie nicht da einsetzen, wo sie um einiges praktischer wären als Bücher, also in der Schule?
Natürlich werden E-Books an immer mehr Schulen eingesetzt, auch wir hatten bei uns schon einen Versuch. Dabei ging es jedoch nicht um E-Books auf E-Readern oder Handys, sondern auf Computern zu Hause. Und da verlieren E-Books nun mal eindeutig eins der Hauptmerkmale eines Buches: Man kann sie (meistens) ziemlich gut mitnehmen. Trotzdem wären E-Books als Schulbücher wahrscheinlich ziemlich praktisch: Man würde seltener seine Bücher vergessen, wenn man sie auf einem E-Reader oder auf dem Handy gespeichert hätte, man könnte in den Büchern markieren, ohne Sorge, dass man nachher Strafe zahlen muss, weil es ja Schuleigentum ist, und um einiges leichter und kleiner wären sie auch. Alles ganz praktisch, wäre da nicht das Problem mit den Seitenzahlen.

Fazit: Die Zahlen sind vielversprechend, die Überzeugung aller Leser kann jedoch noch wachsen

Wie man schon an den Zahlen am Anfang sehen konnte, wurden E-Books in den letzten Jahren immer beliebter. Allerdings gibt es auch noch einige Probleme dabei, die viele Leute doch noch davon abhalten, E-Books zu kaufen: In einer Umfrage sagten 43 Prozent der Befragten, dass sie ausschließlich gedruckte Bücher kaufen würden, nur 2 Prozent, kaufen ausschließlich E-Books. Und dann ist da natürlich noch die Sache, dass es etwas ganz anderes ist, ein gedrucktes Buch zu lesen, ins Regal zu stellen und an seine Freunde zu verleihen, als immer nur mit demselben Reader zu lesen. Aber am Ende werden wir wahrscheinlich doch nicht darum herumkommen, dass E-Books mehr und mehr gekauft werden. Und wie beim Beispiel Schule wäre das sicherlich nicht nur schlecht.

Fakten und Zahlen rund um E-Books und E-Reader aus dem Jahre 2015:
3,9 Millionen E-Book-Käufer = 5,7 % der Gesamtbevölkerung
Durchschnittlich bezahlter E-Book-Preis: 6,82 Euro
Anzahl der von E-Book-Käufern am Publikumsmarkt im Schnitt gekauften Titel: 7,0. 2010 waren es durchschnittlich nur 2,8.
42,1 % benutzen als Lesegerät den E-Reader, 27,1 % das Tablet.
Laut einer Umfrage kaufen 43 % der Befragten ausschließlich gedruckte Bücher und nur 2 % ausschließlich E-Books.
63 % der E-Book-Käufer sind Frauen. Damit liegt der Anteil weiblicher Käufer höher als am Buchmarkt insgesamt (59 %).
Die Akkulaufzeit eines E-Readers liegt zwischen 14 und 28 Stunden.