seit ca. sechs Wochen bin ich hier in Tansania und habe Anfang Oktober angefangen zu arbeiten. Die Reise begann am 11. September mit ein paar Startschwierigkeiten. Mit zwei anderen Freiwilligen von meiner Entsendeorganisation IN VIA Köln ging es von Köln aus nach Istanbul, von wo aus wir weiter zum Kilimanjaro Airport in Arusha (Tansania) fliegen sollten. Jedoch begann unser Flug in Köln so sehr verspätet, dass wir unseren Anschlussflug verpassten und die Nacht in Istanbul in einem Flughafenhotel verbringen mussten. Während die anderen zwei Freiwilligen also schon längst in Himo angekommen waren, saßen wir am nächsten Abend wieder am Flughafen und kamen frühmorgens am darauffolgenden Tag in Arusha an. Und nachdem wir dann auch die Diskussionen mit dem Flughafenpersonal über unsere Visa hinter uns hatten, wurden wir von Father Makiluli, unserem Mentor, der gleichzeitig auch der Projektleiter der Kilchafarm ist, zur WG in Himo gefahren. Endlich waren wir nach zwei Tagen Reise angekommen.

Die kommenden zweieinhalb Wochen erkundeten wir die Gegend und besuchten einen Sprachkurs in Swahili. Schon für den zweiten Tag wurden wir von Father Makiluli zu einem Mönchsfest eingeladen. Die Zeremonie ging von Saa 4 bis Saa 11 (tansanische Zeitrechnung). Die Menschen hier setzen den Sonnenaufgang um 6 Uhr als Stunde 0, also Saa 0 (jeder kann sich jetzt mal ausrechnen, von wann bis wann die Zeremonie ging). Nach einer dreistündigen Messe auf Swahili, bei der man natürlich nichts verstand und sogar die anderen Gäste und Priester teilweise einschliefen, und einem unglaublich guten Essen, bei dem es unter anderem Ziegenfleisch von einer noch lebendig aussehenden Ziege gab (hier auch als traditioneller Cake bekannt), waren zwei Brüder dann offiziell in den Orden aufgenommen.

An den darauffolgenden Tagen wurden wir in den Projekten herumgeführt, die IN VIA anbietet. Das heißt, Merlina und ich sahen auch zum ersten Mal die Schule, in der wir jetzt arbeiten, und den Konvent der Schwestern, in dem wir unsere gemeinsame Wohnung haben. Der Sprachkurs startete am ersten Montag nach Ankunft. Deus, der Bruder Fr. Makilulis, der momentan eigentlich Bankwesen in Moshi studiert, brachte uns die wichtigsten Swahiligrundkenntnisse bei, sodass wir schnell ein paar wenige Worte mit den Einheimischen wechseln konnten. Alle sind immer begeistert, wenn sie einen Swahili sprechen hören, doch schon nach einigen Sätzen muss man sich eingestehen, dass man nichts mehr versteht. Einkaufen gehen wir meistens auf dem Markt in Himo und in verschiedenen Maduka (Supermärkten). Auf dem Markt bekommt man Obst und Gemüse, welches für deutsche Verhältnisse mehr als günstig ist, und man kann zusätzlich noch den Preis herunterhandeln, was aufgrund unserer kleinen Swahili-Skills auch schon einigermaßen gut klappt.

In der zweiten Woche ging es für mich dann zum Friseur. Pia (eine andere Freiwillige) und ich hatten beschlossen, uns Braids flechten zu lassen. Für alle, die nicht wissen, was Braids sind: Das sind die vielen kleinen geflochtenen Zöpfe (meist aus Extensions), die man hauptsächlich bei afrikanischen Frauen sieht. Nach einem Zehnstundenaufenthalt (an zwei Tagen jeweils sieben und drei Stunden) im Salon war dann mein Kopf anstatt von Locken von 157 langen, geflochtenen Zöpfen geziert. Jetzt nach ca. sechs Wochen muss ich sie aber eigentlich schon wieder herausflechten, da einige mittlerweile sehr weit herausgerutscht oder sogar ausgefallen sind.

So, jetzt aber mal zur Arbeit: Nach dem Sprachkurs ging es am ersten Montag im Oktober in die Schule St. John Maria Vianney, wo Merlina und ich auch ab sofort unter der Woche im Konvent der Schwestern auf dem Schulgelände wohnen würden. Am ersten Tag wurden wir vorgestellt und hatten die Chance, erst einmal zu sehen, wie ein typischer Tag an der Schule ablief. Wir aßen die erste Woche sogar noch morgens und abends bei den Schwestern mit, da wir noch keine Gelegenheit hatten, einkaufen zu gehen. Malowa, der Ort, wo wir leben, ist sehr dörflich und wir haben keine Möglichkeit, schnell mal auf den Markt zu gehen, da wir bis zum nächsten Markt eine halbe Stunde mit dem Bodaboda (Motorradtaxi) fahren müssten, was nicht immer ganz unkompliziert ist. Während der Regenzeit, die gerade angefangen hat, kann es schon mal sein, dass die Motorräder nicht den nassen, matschigen Weg nach Mamsera hochkommen oder einfach kein Bodabodafahrer auf die Schnelle erreichbar ist. Wir waren in der ersten Woche außerdem noch sehr müde aufgrund der vielen neuen Eindrücke und dem erneuten Wohnungswechsel. Merlina und ich sind die ersten Freiwilligen, und so war auch für Lehrer und Personal vieles noch ungewohnt und alle mussten sich erst einmal an die neue Situation gewöhnen.

Die Schule existiert seit ca. drei Jahren und befindet sich somit fortlaufend im Auf- und Weiterbau, und das Gelände ist zurzeit noch übersät von mehreren Baustellen. Gerade werden beispielsweise die Wohnhäuser für Jungen der Primary und Secondary errichtet. Teilweise schlafen die Secondary-Jungs noch in den Klassenräumen, und sobald die neuen Klassen zu Beginn des neuen Schuljahres (Januar) kommen, passen die Jungen der Primary School wahrscheinlich auch nicht mehr ins Schlafhaus der Mädchen. Wie man hier schon herauslesen kann, ist die Schule eine Boarding School (Internat). Es gibt neben den Boardern, die in der Schule wohnen, auch Schüler, die morgens kommen und mittags wieder gehen. Viele der hier lebenden Kinder kommen aus größeren Städten wie Dar es Salaam (Küstenstadt), Moshi oder Arusha (nahegelegene Großstädte) oder auch aus der näheren dörflichen Umgebung. Gut die Hälfte der Schüler/-innen sind Waisen und leben, auch während die anderen in den Ferien nach Hause fahren, in der Schule. In der Primary School, die sich nach dem englischen Schulsystem richtet (sprich: Primary School bis zur 7. Klasse), gibt es bis jetzt die Nurseryklasse (Vorschule) und die ersten drei Klassen. Die einzelnen Jahrgänge bestehen aus ca. 40 bis 50 Schülerinnen und Schülern und werden jeweils von einem bestimmten Lehrer unterrichtet; das Kollegium ist also momentan ebenfalls noch überschaubar.

Nachdem die erste Woche des Ausprobierens und Kennenlernens vorüber war, kehrte auch schon der Alltag ein. Morgens frühstücken wir in unserer kleinen Küche und gehen dann rüber zur Schule, wo die Assembly um 7:30 Uhr startet. Bei der Assembly wird gebetet, die Nationalhymne gesungen, die wir jetzt auch schon mehr oder weniger draufhaben, und manchmal werden noch Ansagen von den Lehrern oder der Schwester (in Funktion der Schulleiterin) gemacht. Nachdem die Lehrer begrüßt worden sind, marschieren die Kinder Stufe für Stufe singend in ihre Klassenräume. Wir haben jeweils täglich zwei Unterrichtsstunden, die wir alleine leiten. Wir haben uns dafür entschieden, Deutsch, Computer, Sport, Kunst und Musik zu unterrichten, da diese Fächer bis jetzt noch nicht im Lehrplan vorkamen und wir gleichzeitig den Lehrern so nicht ihre Fächer wegnehmen.

In der ersten Pause bekommen die Kinder Porridge, während die Lehrer Chai na maziwa (Milchtee) trinken, in der langen Lunchpause essen dann alle Ugali na Maharagwe (Maisbrei mit Bohnen). Nach dem Unterricht um 15 Uhr startet für die Kinder die tägliche Putz- und Aufräumsession. Währenddessen gehen wir meistens in die Küche, um die Becher aus der ersten Pause abzuspülen. Mittwochs und freitags, wenn Field-Day ist und die Kinder direkt nach der Mittagspause auf den Schulhof zum Spielen dürfen, sind wir auch dabei. Während Merlina mit den Jungen Fußball spielt, habe ich bis jetzt immer mit den Mädchen Netball gespielt. Nach dem Field-Day und der Mittagsassembly rennen meistens alle direkt zu den Waschräumen und die Mamas, die dort arbeiten, beginnen, den kleineren Kinder beim Duschen zu helfen, während andere Schüler/-innen schon ihre Wäsche machen. Da es gerade an diesen Tagen viel Stau in den Waschräumen gibt und die Mamas sich über die Entlastung freuen, waschen wir die Nurserykinder und gehen gegen 16 Uhr bis 16:30 Uhr runter zum Konvent und sind für den Tag dann fertig mit der Arbeit.

Aber auch noch nach der Arbeit läuft der geregelte Tagesablauf weiter. Meistens entspannen wir dann für ein Stündchen, lernen Swahili oder waschen unsere Wäsche (übrigens per Hand) und fangen danach draußen an mit unserem täglichen Workout. Da es hier spätestens um 19 Uhr dunkel ist, beginnen wir meistens um diese Zeit dann schon mit Kochen, sodass wir spätestens um 22 Uhr im Bett liegen, um am nächsten Tag wieder gegen 6 Uhr aufstehen zu können. Freitagnachmittags sind wir bisher jedes Mal nach Himo in die WG gefahren, um dort unser Wochenende zu verbringen. Von Malowa aus rufen wir dann zwei Bodabodafahrer an, die uns den Schotterweg nach Mamsera hochfahren, von wo aus wir ein Daladala (Kleinbus) nach Himo nehmen. Nach dem Wochenende dort und der wöchentlichen Messe sonntags mit Father Makiluli auf dem Gelände der Kilchafarm fahren wir abends wieder zurück nach Malowa.

Ich bedanke mich nochmal bei allen, die diesen Freiwilligendienst möglich gemacht haben, und natürlich auch bei allen Lesern, die sich in den KingKalli-Ausgaben gerne mal meinen Bericht durchlesen.

Bis zum nächsten Mal! Tutaonana, eure Jil
(ich bin die Dritte von rechts)