Klimawandel. Ein abstrakter Begriff. Irgendwie soll es wärmer werden, der Meeresspiegel steigt an, der Lebensraum des Eisbären schwindet und das hängt alles mit unseren Kohlekraftwerken und dem Verkehr zusammen. Doch was ist Klima? Wieso verändert es sich? Welche Folgen hat das? Was können wir tun? Und wie könnte eine nachhaltige Zukunft aussehen? Wie werden wir wohnen? Was werden wir essen? Woher bekommen wir unsere Energie? Wie wird sie gespeichert und wie sind wir mobil? So viele Fragen. Und um die geht es beim 2°Campus. Der Name geht auf das Zwei-Grad-Limit zurück, also auf das Ziel, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung auf maximal 2 °C zu begrenzen, um Risiken zu minimieren. Wenn ihr für euch den Begriff „Klimawandel“ mit etwas mehr Leben füllen wollt, Spaß an Forschung habt, zwischen 15 und 19 Jahren alt seid, andere interessierte Jugendliche kennenlernen und zu einer klimafreundlichen Zukunft beitragen wollt, dann seid ihr beim 2°Campus richtig. Ich war schon zweimal dabei.

Forschungsfelder Mobilität, Energie, Wohnen und Ernährung

Mein 2°Campus begann im März 2015 in Berlin. Dort lernten wir im ersten von drei Blöcken die anderen Teilnehmer kennen, machten Exkursionen zu inspirierenden klimafreundlichen Praxisbeispielen und lauschten Vorträgen über das Klima, den Klimawandel und über Arktisexpeditionen. Dabei wurden wir immer wieder aufgefordert, Situationen auch zu hinterfragen. Im Anschluss konnten wir Fragen stellen und über das Gehörte diskutieren. Dann wurden uns die vier Forschungsfelder Mobilität, Energie, Wohnen und Ernährung vorgestellt und wir teilten uns auf diese auf. Zusammen mit unserem wissenschaftlichen Mentor, der uns auch im Sommer begleiten würde, entwickelten wir eine Forschungsfrage. In unserer Gruppe, der Mobilitätsgruppe, ging es darum, die Nachhaltigkeit von Akkus für Elektroautos zu verbessern. Die Energiegruppe beschäftigte sich mit einer Verringerung des Platzbedarfs von Windrädern, die Ernährungsgruppe mit Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und die Wohnengruppe mit klimafreundlichem Wohnen auf kleinem Raum.
Während der Zeit entwickelte sich in der gesamten Gruppe bereits ein starkes Teamgefühl, außerdem waren die Vorträge, anders als man es vielleicht aus der Schule gewohnt ist, immer sehr anschaulich und spannend. An verschiedenen Szenarien wurde uns dabei gezeigt, was passiert, wenn wir so weitermachen wie bisher, aber auch, dass es noch möglich ist, den Klimawandel stark einzudämmen.

Einmal selber im Labor stehen

2gradcampus2An unserer Forschungsfrage konnten wir im zweiten Block in unseren Kleingruppen forschen. Dazu fuhr ich im Sommer mit meiner Gruppe nach Münster. Am Batterieforschungszentrum konnten wir im Labor unser eigenes nachhaltiges Anodenmaterial herstellen, ausführlich analysieren und in Testakkus einbauen. Dabei wurden wir von unserem Mentor zwar angeleitet, konnten aber alle Herstellungsschritte selbstständig durchführen. Nach der Forschungsphase trafen wir uns mit den anderen Gruppen wieder in Berlin. Nachdem wir uns bei Slacklinen, Fußball- und Fangen- spielen etwas erholt hatten, erstellten wir eine Präsentation über unsere Forschung. Unser Fazit war sehr positiv, auch wenn natürlich noch Aspekte verbessert werden müssen. Als Ausgleich zu der kopflastigen Präsentationserstellung besuchten wir ein Improvisationstheater, durften ein energieautarkes Dorf kennenlernen und gingen mit einem Wildnispädagogen in den Wald. Nebenbei entwickelten sich auch die Freundschaften, die sich schon im ersten Block gebildet hatten, weiter.
Im Herbst durften wir dann in Berlin unsere Ergebnisse vorstellen. Außerdem lernten wir das Alumninetzwerk kennen. Das besteht aus den ehemaligen Teilnehmern und gibt einem die Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben und sich weiter zusammen für den Klimaschutz zu engagieren. Freiwillig konnten wir im Anschluss an den 2°Campus die Forschung noch vertiefen oder in der WWF Jugend aktiv werden. Der 2°Campus hat uns in jedem Fall gezeigt, dass Klimaschutz Spaß macht. Ich durfte in diesem Jahr der neuen Mobilitätsgruppe als Juniormentorin mit den Erfahrungen aus dem letzten Jahr zur Seite stehen und nehme am 2°Changemakerprojekt teil, bei dem ich mich mit Mooren beschäftige.
Insgesamt hat mir der 2°Campus sehr gut gefallen. Ich habe ihn vor allem als riesige Chance und als Basis, auf der ich mich weiter für den Natur- und Klimaschutz engagieren kann, gesehen. Außerdem fand ich es spannend, einmal selbst im Labor zu stehen und die anderen Teilnehmer, aber auch die Teamer, Organisatoren, Mentoren und Referenten kennenzulernen, die alle sehr nett sind und sich auf vielfältige Weise für den Klimaschutz engagieren.

Weitere Infos zu den vergangenen Jahrgängen, Exkursionen, Erfahrungen und Forschungsergebnissen sowie zur Bewerbung (die Bewerbungsphase beginnt am 13. September 2016) findet ihr unter www.2-grad-campus.de

Foto // Arnold Morascher/WWF