Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie es am Theater hinter der Bühne zugeht? Wie die Schauspieler zurechtgemacht werden? Angeklebte Bärte, umgeschnallte Bäuche oder verrückte Frisuren kann man im Theater bestaunen. Doch wer stellt die Bärte, Bäuche und Perücken her?
Das machen die Maskenbildner/-innen. Ein vielseitiger und abwechslungsreicher Ausbildungsberuf, den ihr zum Beispiel am Theater Aachen erlernen könnt. Wir haben uns mit Maxi und Lea getroffen, die gerade die Ausbildung zur Maskenbildnerin machen.

Bärte und Headpieces

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Blut, Schusswunden, Narben und fiese Fratzen. Das ist es, was Maxi Faulmann (27) an ihrem Traumberuf so fasziniert. Lea Fehrholz (23) hat sich schon als Kind für Musicals begeistert, die aufwendigen Frisuren und das Kreativsein findet sie an ihrer Arbeit im Theater Aachen so toll. Die beiden machen gerade die dreijährige Ausbildung zur Maskenbildnerin. Maxi ist im dritten Jahr und Lea fängt gerade erst an. Stolz zeigen sie uns ihre Headpieces, aufwendig gestaltete Haarteile aus Kunsthaar, die sie während eines zweitägigen Seminars erarbeitet haben. „Das sind jetzt Headpieces, die sind nicht für das Theater geeignet, die würden wahrscheinlich gar nicht richtig halten. Bei dem Seminar ging es vor allen Dingen um die Schnelligkeit und die Fingerfertigkeit beim Herstellen“, erklärt Lea. Flink mit den Fingern muss man also sein. Kreativ sowieso und zeichnen sollte man auch ein bisschen können, wenn man den Beruf der Maskenbildnerin erlernen möchte. Maxi und Lea haben beide vor ihrer Ausbildung den Friseurberuf erlernt. Das ist zwar mittlerweile nicht mehr Pflicht, aber es hilft schon ungemein, wenn man weiß, wie man mit Haaren umgehen muss. Kathrin Pavlas, die Chefmaskenbildnerin am Theater Aachen, erklärt: „Wir am Theater möchten schon, dass die Maskenbildner vorher eine Lehre als Friseur/-in gemacht haben. Nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten sind dringend notwendig, sondern der Beruf erfordert eine gewisse persönliche Reife. Und dazu braucht man ein bisschen Lebenserfahrung. Wenn man die ein oder andere Prüfung abgelegt und mit Kunden gearbeitet hat, ist man schon etwas reifer. Dann weiß man, wie man mit Menschen umgehen muss, und hat schon ein gewisses Maß an Empathie gelernt.“

Schminken und Frisieren stehen auf dem Stundenplan

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Zwischen den praktischen Einheiten am Theater sind Maxi und Lea immer für sechs Wochen auf der Maskenbildnerschule in Hamburg. Von diesen Schulen gibt es nur drei in Deutschland. Berlin, Baden-Baden und Hamburg, und in München und Dresden kann man das sogar studieren. Während der Zeit in Hamburg müssen sich die Azubis immer eine Unterkunft suchen. „Eine Freundin und ich machen meistens Airbnb, ein Wohnheim gibt es leider nicht“, erzählt Maxi. Auf dem Stundenplan von Maxi und Lea stehen dann Fächer wie Wirtschafts- und Sozialkunde, Fachenglisch, Konzepterstellung, Schminken und Frisieren, Formenbau und Stilkunde. „Das Fachenglisch ist ganz wichtig, damit man weiß, wie die ganzen Werkzeuge auf Englisch heißen, und man dann auch international arbeiten kann“, erklärt Maxi. „Im Fach Stilkunde oder auch Epochenlehre lernt man zum Beispiel, wie die Leute sich damals gekleidet haben, wie die Frisuren waren und auch den Zeitgeist“, ergänzt sie noch. Zu der Stilkunde oder auch Epochenlehre gehört sogar die Architektur der jeweiligen Epoche.
Wenn die beiden nicht in der Schule sind, dann verbringen sie einen typischen Tag mit dem Säubern von Bärten oder dem Aufbereiten von Frisuren, die sie selbst hergestellt haben. Einmal in der Woche steht ein Probeschminken an, wo sie üben können, was sie für die Prüfung können und wissen müssen. Während der Ausbildung gibt eine rein praktische Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung. Diese dauert zwei Tage für den praktischen Teil. Zusätzlich wird dann noch der theoretische Teil geprüft. Bei dieser Prüfung wird alles abgefragt, was sie in der Schule und am Theater gelernt haben. Auch eine sogenannte Charaktermaske müssen die angehenden Maskenbildner herstellen können. Charaktermasken sollen eindeutig einen Charakter darstellen. Dies wird häufig mit plastischem Gesichtsteil und Spezialeffekten gemacht. Zum Beispiel die weißen Wanderer in Game of Thrones tragen solche Charaktermasken. Diese Masken aus Silikon werden aufwendig mit jeweils unterschiedlichen Gesichtsabdrücken hergestellt. Jemanden auf alt zu schminken zählt ebenso als Charaktermaske. Oder auch einen Bart „aus der Hand“ kleben müssen die beiden nach ihrer Ausbildung können. Das heißt, sie müssen einzelne Echthaare direkt am Schauspieler ankleben, um so einen echt aussehenden Bart zaubern zu können.

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Vielleicht zum Film?

Wenn Maxi mit der Ausbildung fertig ist, würde sie auch gerne einmal beim Film reinschnuppern. „Ich würde schon gerne sehen, wie die so arbeiten, aber ich denke, am Theater ist es doch am „Schönsten.“ Lea möchte auch einmal bei einem Musical mitarbeiten und noch weitere Praktika machen.
Jedes Jahr übernimmt das Theater Aachen einen der Auszubildenden für ein Jahr. „Viele in unserem Team kommen aus der eigenen Ausbildung, unsere Lehrlinge haben auch immer gute Abschlüsse“, erzählt Kathrin Pavlas stolz.
Maskenbildner/-in ist kein Job, bei dem man um 17 Uhr den Stift fallen lässt. Natürlich wird auch abends gearbeitet, logisch, wenn die meisten Theatervorstellungen abends stattfinden. Aber dafür ist jeder Tag anders und man sieht die Früchte seiner Arbeit direkt auf der Bühne.
Maxi und Lea haben zusätzlich zu ihrer Friseurausbildung etliche Praktika gemacht, bevor sie die Ausbildung zur Maskenbildnerin angefangen haben. Vor der Ausbildung einige Praktika gemacht zu haben ist immer wichtig, wenn man sich für einen Beruf interessiert. Dadurch kann man herausfinden, ob es tatsächlich das Richtige für einen ist – Erfahrungen machen ist nie unnötig oder falsch, raten die beiden Interessierten.

Voraussetzung: je nach Ausbildungsstätte unterschiedlich. Zum Beispiel: Ausbildung zum/r Friseur/-in oder Visagist/-in
Dauer der Ausbildung: 3 Jahre
Bewerbung Ausbildung in Aachen:
Stadttheater und Musikdirektion Aachen
– Personalabteilung –
Hubertusstraße 2-6, 52064 Aachen

www.theateraachen.de