Der 28-jährige Markus Rehm ist in den Disziplinen Weitsprung und Staffelsprint einer der erfolgreichsten Leistungssportler mit körperlicher Beeinträchtigung. Dass sein Unfall vor vierzehn Jahren ihn später zum Erfolg führen könnte, hätte er damals nicht gedacht.

„Mein Unfall war kein Schicksalsschlag.“

Sommer 2003: Der damals 14-jährige Markus Rehm fällt beim Urlaub mit der Familie am Main in der Nähe von Kitzingen nach einem verpatzten Sprung auf dem Wakeboard ins Wasser, wird vom Fahrer eines Motorboots übersehen und gerät in die Schiffsschraube. Drei Tage nach einer mehrstündigen, leider erfolglosen Operation in der Uniklinik Würzburg muss sein rechter Unterschenkel amputiert werden.

Doch der Erfolgsathlet sieht seinen Unfall nicht als Schicksalsschlag. Zwar gab es Tiefs, wie er in einem Interview des Allianz-Magazins berichtet, fing sich jedoch schnell und meisterte den Wendepunkt seines Lebens mit Bravour.

Der Weg zum Leistungssport

Fünf Jahre nach seinem Unfall, nachdem jemand ihn Trampolin hüpfen gesehen hatte und sein unglaubliches Sprungtalent erkannte, kam er zur Leichtathletik. Beim Probetraining bei Bayer Leverkusen lernte er Steffi Nerius, ehemalige Speerwerferin und Trainerin im Behindertensport, kennen und arbeitet seitdem mit ihr zusammen.
Er brach einige Europa- sowie Weltrekorde, gewann mehrere Medaillen bei den Welt- und Europameisterschaften der Behinderten, gewann eine Goldmedaille im Weitsprung und eine Bronzemedaille im Staffelsprint bei den paralympischen Spielen in London 2012 und erreichte dann vier Jahre später in Rio de Janeiro in beiden Disziplinen Gold und damit den Höhepunkt seiner Karriere. 2014 gewann er sogar Gold im Weitsprung bei der Deutschen Meisterschaft der Nichtbehinderten.

Warum also die Ablehnung des Leichtathletikverbands zur Teilnahme bei den Olympischen Sommerspielen? Die Prothese verzerre laut Verband den Wettbewerb. Um dies zu klären, organisierte Rehm eine wissenschaftliche Studie der Sporthochschule Köln, die Ende Mai verkündete, dass er keine Vorteile durch seine Prothese habe. Zwar helfe ihm die Federkraft der Prothese beim Absprung, er habe dafür jedoch Schwierigkeiten beim Anlauf und ein gestörtes Gleichgewicht. Zusätzlich bat Rehm den Weltverband IAAF mehrmals darum, ein Gutachten zu veranlassen, welches klarstellen sollte, ob er mit seiner Prothese einen Vorteil hat oder nicht. Die Zulassung für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro bekam er trotz aller Mühe nicht.

„Lasst uns doch gemeinsame Wettkämpfe machen.“

Seit einiger Zeit kämpft Rehm in einer Arbeitsgruppe der IAAF für den Start von körperlich benachteiligten Sportlern bei der Leichtathletik-WM 2017 in London. Sein Ziel sind nun gemeinsame internationale Wettkämpfe, denn die wären „für die Sportler interessant und für die Zuschauer spannend“, außerdem würde so der Sport wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden.
Neben dem Sport ist er als Orthopädiemechaniker tätig und hat vor einigen Jahren auch die Meisterprüfung bestanden. Gemeinsam mit seinen Kollegen arbeitet er an der Verbesserung von Alltagsprothesen, die Herstellung von Sportprothesen ist eher selten gefragt.