Mit 20 entschied sich Schwester Thea, ins Kloster zu gehen. Ein ungewöhnlicher Lebensweg, den heute kaum noch junge Frauen wählen.
a52 hat sie hinter den Klostermauern am Aachener Preusweg besucht.

An der Klosterpforte werden wir schon von einer älteren Schwester erwartet. Als wir den Gang betreten, ist es halbdunkel im Flur und es herrscht eine ungewohnte Stimmung. Da kommt eine kleine lachende Frau auf uns zu – Schwester Thea. Wir werden herzlich von drei Schwestern des Klosters begrüßt und von Schwester Thea in ein kleines Zimmer geleitet.
Die Entstehungsgeschichte des Klosters hat sie in einer ausführlichen PowerPoint-Präsentation vorbereitet. „Wir sind auch up to date“, sagt sie und lacht, als alle sich anfangs über die technische Ausstattung wundern. „Einige Schwestern haben auf ihrem Smartphone sogar WhatsApp“, fügt sie hinzu.

Schwester Thea stammt aus Duisburg und ist gerade einmal 23 Jahre alt. Und damit mit Abstand die Jüngste in der Ordensgemeinschaft: Die Altersspanne reicht von 23 über 49 bis hin zu ganzen 95 Jahren. 23 Elisabethinnen leben im Mutterhaus, zu Hochzeiten waren es 350 Schwestern. Um ihr Leben finanzieren zu können, vermieten sie Zimmer und Apartments an einige Studenten und einen Flüchtling. 14 Hausangestellte unterstützen den Alltag. Diese 14 Arbeitskräfte sind fast alle durch eine Behinderung in ihrer Arbeit eingeschränkt, aber für die Schwestern ist sehr wichtig, dass jeder eine Chance bekommt.

Der Name des Ordens ist auf die heilige Elisabeth zurückzuführen, welche vor allem für tätige Nächstenliebe steht. Sie war auch Vorbild der Gründerin Apollonia, die 1622 mit anderen jungen Frauen in Aachen gegen die Pest kämpfte und für die Kranken sorgte. Sie gilt als Vorreiterin der organisierten Krankenpflege in Aachen. Vier Jahre später verstarb Mutter Apollonia selbst an den Folgen der Pest. Ihre sterblichen Überreste befinden sich nun in der Krypta des Elisabeth-Klosters. Auch heute noch verfolgt der Orden ähnliche Ziele wie seine Vorbilder. Es gibt eine Bedürftigenküche, in der jeder, der möchte, ein warmes Mittagessen bekommt. „Jeder ist hier herzlich willkommen.“ Einige Schwestern sind auch im nahegelegenen Altenheim tätig und wieder andere pflegen die älteren Schwestern des Ordens und sogar deren Eltern.

Zu ihrem Namen erklärt Schwester Thea, dass es ihr sehr wichtig war einen Bezug vom Namen zum Ordensleben zu haben. „Meine Generaloberin erwähnte einmal, dass ich für sie und die Gemeinschaft ein richtiges Gottes Geschenk sei, was mich sehr berührt hat und was ich irgendwie umsetzen wollte.“ sagt sie, „Thea kommt vom heiligen Theodosius und bedeutet Gottes Geschenk.“
Doch wie ist Schwester Thea direkt nach dem Abitur zu diesem Orden gestoßen? Sie kommt aus einer katholischen Familie und war schon immer gläubig. Mit 16 Jahren besuchte sie zum ersten Mal im Rahmen einer Religions-AG ein Kloster. Von da an verbrachte sie regelmäßig ihre Ferien dort. Als es nun auf die Frage zuging, was sie nach dem Abitur machen wolle, entschied sie sich, Teil des Elisabethordens zu werden, da der Glaube für sie eine zentrale Rolle spielt. Ihre Eltern haben zwar immer noch Schwierigkeiten, ihre Entscheidung zu verstehen, aber Schwester Thea bereut es keineswegs und fühlt sich in der Gemeinschaft sehr wohl. „Wir müssen füreinander da sein, weil Gott uns gezeigt hat, dass er für uns da ist“, ist eine der berühmtesten Aussagen der heiligen Elisabeth. Die Schwestern des Ordens richten sich stark nach ihren Leitsätzen. So versuchen auch sie, in Armut zu leben. Es ist jedoch nicht möglich, in kompletter Armut zu leben, da sie Kraft brauchen, um anderen zu helfen. Der Lebensstil der Schwestern lässt sich eher als sehr bescheiden bezeichnen, sie haben beispielsweise gar keinen eigenen Besitz. Wenn sie Geld für Schuhe oder Sonstiges brauchen, müssen sie dies erfragen. „Am häufigsten brauchen wir eine neue Strumpfhose“, sagt Schwester Thea und lacht. Das Habit (Kleid und Schleier) ist so robust, dass es jahrzehntelang hält. Das Habit erhält man erst mit Beginn des Noviziats.

Der Weg zu einer fertigen Ordensschwester dauert neun Jahre. Zu Beginn steht das Postulat – der Eintritt ins Kloster. Noch trägt man normale Kleidung, lebt jedoch schon im Kloster. Nach einem Jahr beginnt das zweijährige Noviziat, nun wird man mit Schwester angeredet, erhält das Habit und eine Kette mit der heiligen Elisabeth als Anhänger. Der Schleier ist zunächst weiß, er symbolisiert den Status als Braut Gottes. Danach legt man mit der Profess das Versprechen ab, sich an die Regeln des Ordens zu halten und gemäß den evangelischen Räten zu leben. Nach der Profess ist man eine richtige Ordensschwester und erhält den schwarzen Schleier und eine Kreuzkette. Neun Jahre nach Eintritt in das Kloster besteht die Möglichkeit, eine ewige Profess abzulegen, bei der man auch einen goldenen Ring erhält. „Die ewige Profess ist eigentlich auch mein Ziel“, erzählt Schwester Thea – sie ist gerade im zweiten Novizinnenjahr. „Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde. Ein Segen sollst du sein“, lautet ihr Leitspruch, auf den sie während der Aachener Heiligtumsfahrt 2014 steiß und sich von den Worten persönlich angesprochen gefühlt hat. „Jeder wählt einen Bibelspruch aus, der einen immer begleitet“, erklärt Schwester Thea. „Für mich war dieses Zitat schon immer sehr bedeutsam und das Land, das dort angesprochen wird, ist für mich das Kloster.“

Das Kloster selbst verfügt über eine eigene Kirche, in der die Elisabethinnen jeden Tag dreimal ihr Gebet halten. Besucher bei der heiligen Messe sind gerne gesehen. Über der Kirche gibt es einen Meditationsraum, der sich unmittelbar unter dem Glockenturm befindet. Eine Krypta ist im Keller unter der Kirche zu finden. Im Obergeschoss befinden sich kleine Räume, in denen die Schwes-tern neben- und miteinander leben. „Jeder in seinem eigenen persönlichen Raum.“ In der ersten Etage befinden sich auch Mietwohnungen und Gästezimmer. Das Kloster verfügt des Weiteren über eine große Küche, einen Waschkeller, ein Nähzimmer, einige Büros und viele Gemeinschaftsräume. Weil zu früherer Zeit viele Ordensschwestern an Tuberkulose erkrankten und durch eine Lufttherapie behandelt werden mussten, gibt es auch eine Dachterrasse – mit direktem Blick auf den großen Klostergarten, in dem auch die Klosterhunde leben. Überall an den Wänden hängen Kreuze, Bilder, Blumen und einige Statuen, die an den Wänden hängen und am Rand des Flures auf dem Boden stehen.

Der Klosterbesuch war eine außergewöhnliche Erfahrung, denn ein Kloster sieht man nicht alle Tage von innen. Wir alle waren überrascht, wie aufgeschlossen und herzlich Schwester Thea und die anderen waren, auch wenn Schwester Thea über sich sagt, dass sie gerne provoziere. Im Elisabeth-Kloster ist jeder herzlich willkommen, egal ob er Gesellschaft sucht oder ein warmes Essen braucht. Die Religion spielt dabei keine Rolle, denn: „Das Wichtigste gegenüber anderen Religionen sind Toleranz und Akzeptanz“, so Schwester Thea.