Vorbei die Zeiten, in denen man Wissen über die Wirtschaft ausschließlich dem Tafelanschrieb oder dem Schulbuch entnehmen konnte! Das Einhard-Gymnasium ermöglicht es seinen Schülern im Rahmen der Junior-Schülerfirmenprogramme, die das Institut der deutschen Wirtschaft bundesweit organisiert, selbst ein Unternehmen zu gründen und sich mit ökonomischen Zusammenhängen durch selbstständiges, ganzheitliches Lernen vertraut zu machen. A52-Redakteur Yannick Schornstein besuchte die Firma Baixellence zu einer gemeinsamen Backstunde, in der das Produkt – Backförmchen mit Aachen-Motiven – im Praxistest vorgeführt wurde.
Jessica, Volkan, Thomas, Fynn, Daniel, Fabian, Tobias, Adam und Constantin, die Gründer der Firma Baixellence, sind für Gestaltung, Herstellung und Verkauf ihres Produkts verantwortlich und erhalten so Einblicke in alle Bereiche der Wirtschaft. Die Geschäftsidee haben sie schon 2015 gefunden: Man fertigt Ausstechformen, die die Wahrzeichen Aachens darstellen. Hierzu kooperiert die Firma mit dem Lohnhersteller 3-Digital Druckservice, der über gleich mehrere der neuartigen 3D-Drucker verfügt, welche es ermöglichen, Werkstücke aller Art Schicht für Schicht und an einem Stück zu produzieren. „Wir haben unsere erste Form, den Aachener Dom, probehalber mit dem Schul-3D-Drucker hergestellt“, sagt Volkan, der gewählte Vorstandsvorsitzende der Firma. „Die Formen mit diesem Motiv sind auch jetzt noch am beliebtesten.“ Doch natürlich war die Suche nach dem geeigneten Produkt nur ein erster Schritt, und bis zum Verkauf von mittlerweile 140 Formen hatte das Team alle Herausforderungen zu meistern, mit denen jede neugegründete Firma konfrontiert wird. Weitere Formen, beispielsweise das Rathaus und die Karlskrone, mussten designt, eine Verkaufsstrategie entworfen, Verwaltungsaufgaben wahrgenommen und – vor allem – das Geld beschafft werden, um die ersten unternehmerischen Schritte zu tun, indem man 85 Anteilsscheine zu je 10 Euro verkaufte. Hierbei wurden die Schüler  von der 3Win Maschinenbau GmbH sowie der Gründerregion Aachen unterstützt und beraten.
Baixellence ist inzwischen ein schon eingespieltes erfolgreiches und ambitioniertes Team. „Aber es geht uns nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen“, erklärt Volkan. „Dazu wäre eine Ausweitung der Produktion notwendig, die unter den Bedingungen des Projekts gar nicht möglich ist. Wir wollen den Landeswettbewerb gewinnen.“

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Denn am Ende des Schuljahres werden die besten drei Unternehmen Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet und daraufhin üblicherweise aufgelöst. Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten Sachpreise, die beste Firma aber darf am Bundeswettbewerb teilnehmen. Zur Bewertung hat die IW Junior gGmbH ein spezielles Verfahren entwickelt und fünf Kriterien festgelegt, von denen der Unternehmensgewinn nicht das wichtigste ist. Am Wettbewerbstag in Düsseldorf müssen die Schüler ihre Firma vorstellen, indem sie eine fünfminütige Präsentation halten, und ihre im Rahmen des Projekts erworbenen ökonomischen Kenntnisse in Interviews unter Beweis stellen. Ferner werden Geschäftsidee und Korrektheit der Buchführung beurteilt.
Nicht zuletzt interessiert die Juroren, ob die Wettbewerber es verstehen, die Bekanntheit ihres Unternehmens zu erhöhen. Das ist Aufgabe der Marketingabteilung, die Flyer gestaltet, die Website und die  Facebookseite betreibt, Rabattaktionen organisiert und das Image der Firma bestimmt. Thomas, der vor allem in den sozialen Netzwerken aktiv ist, beschreibt es so: „Wir möchten professionell, aber nicht abgehoben wirken und bemühen uns um Kundennähe. Die Kunden können uns per E-Mail, über Facebook und über das Kontaktformular auf unserer Internetseite erreichen. Unsere Formen werden wir möglicherweise bald auch auf kalaydo und eBay Kleinanzeigen anbieten.“ Mit der Ausnutzung aller Informationskanäle trägt man der Tatsache Rechnung, dass ganz unterschiedliche Altersgruppen als Käufer infrage kommen. Auch Senioren gehören zur Kundschaft von Baixellence, weswegen man die Formen auch in herkömmlicher Weise an Verkaufsständen anbietet. Er geht davon aus, dass die Verkaufszahlen auch in den nächsten Monaten hoch bleiben werden: „Wir haben absichtlich Formen gestaltet, die sich nicht auf Weihnachten beziehen. Mit ihnen kann man ein Stückchen Aachen verschenken. So hoffen wir, auch Ostern viele Formen absetzen zu können.“

Bei aller Begeisterung für das Projekt wissen die Teilnehmer allerdings noch nicht, ob nach dem Abschluss eine unternehmerische Karriere folgen wird. Volkan fasst das Stimmungsbild so zusammen: „Das Projekt ist eine interessante Erfahrung für uns, aber wir möchten uns nicht festlegen. Schließlich sind es ja noch zwei Jahre bis zum Abi.“

www.baixellence.de
www.junior-programme.de