Ausgefallene Kostüme, bewegende Stories und ein großes Angebot an Ohrwürmern: Musicals sind allseits beliebt bei Musik- und Schauspielbegeisterten. Ob „Tarzan“, „Der König der Löwen“ oder „Mamma Mia“ – alle Stücke faszinieren durch eine unvergleichliche Atmosphäre. Bei manchen Menschen wecken sie sogar den Traum, selbst einmal auf der Bühne zu stehen. Ein harter Job, denn jeden Abend heißt es: Vorhang auf! Immer wieder aufs Neue müssen die Darsteller das Publikum in den Bann ziehen. Ständig müssen sie in ganz unterschiedliche Rollen schlüpfen, um ihr Publikum zu unterhalten, zum Lachen zu bringen, zu berühren.

Wer einen solchen Traum hat und möchte, dass er einmal in Erfüllung geht, muss einiges auf sich nehmen. So wie Zoe Föllner. Die 17-jährige Bonnerin hat sich entschieden, ihr größtes Hobby zum Beruf zu machen. Sie besuchte seitdem ein Vorbereitungsseminar der Stage School in Hamburg, wo sie auf dem Weg ins Rampenlicht professionell begleitet wird. Danach möchte sie sich an verschiedenen Universitäten und Schulen bewerben, um einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was genau lernt man an einer Musicalschule?
Zoe // Man macht dort eine Drei-Sparten-Ausbildung in Tanz, Gesang und Schauspiel, damit man später in jedem Bereich arbeiten kann. Im ersten Jahr startet man mit Grundfächern wie Ballett, Schauspiel und Gesang. Später kommen dann noch andere Fächer dazu, die das Gelernte zu dem machen, was man dann später auf den Bühnen sieht.

Und was lernst du über dich selbst?
Wenn man jeden Tag sein Können beweisen muss, bekommt man mehr Selbstbewusstsein und tritt offener auf. Auch erlangt man ein besseres Körpergefühl, da man beim Tanzen über sich hinauswächst.

Warum Musicaldarstellerin?
Ich wusste schon immer, dass ich etwas mit Gesang machen möchte und dann meinte einmal ein Freund zu mir: „Studier doch Musical!“ Meine erste Reaktion war: „Musical? – Das kann man studieren?!“ Ich liebe einfach das Singen und Tanzen. Mein Ziel ist es, später mit dieser Leidenschaft Geld zu verdienen. Kein Beruf würde mich mehr erfüllen. Man hat zwar später keinen festen Job und kommt ziemlich viel rum, aber das Risiko nehme ich auf mich, weil es um einen großen Traum geht, der in Erfüllung gehen kann.

Wie sieht der Unterricht aus?
Wir sind nur zu neunt im Vorbereitungsseminar und wie eine kleine Familie. Da ist es wichtig, die anderen zu kritisieren und zu loben. Auch im Musiktheorieunterricht wird man mit einbezogen und muss erkennen, um welches Intervall oder welche Taktart es sich handelt. Aber keine Sorge, das lernt man alles dort. In den Mittagspausen essen wir immer gemeinsam und feilen an unseren Choreos. Das Motto lautet sozusagen „learning by doing“.

Wer unterrichtet euch?
Alle unsere Lehrer haben schon in Musicals oder anderen Stücken mitgespielt, getanzt oder Opern gesungen. Besonders beeindruckend finde ich meine Lehrerinnen in Gesang und Jazz, weil sie uns etwas beibringen und uns gleichzeitig motivieren.

Was muss man mitbringen?
Ausdauer und Fitness sind das A und O, denn man muss später stundenlang auf der Bühne stehen. In der Mittagspause stellen sich deswegen auch die meisten aufs Laufband. Außerdem sollte man ein gewisses Talent und Motivation mitbringen, damit man diese Ausbildung durchhält.

Was machst du, wenn du mal gerade nicht singst oder tanzt?
Ich bin eine Leseratte. Erst heute meinte meine Lehrerin für Sprechtechnik, dass ich deswegen viel zu schnell vorlese. Außerdem koche ich unglaublich gerne, und falls ich mal zu viel Zeit habe, gehe ich Inlineskaten.

Wie geht es dir in deiner neuen Heimat?
Ich genieße meine Freiheiten und bin viel sparsamer. Trotzdem gehe ich gerne abends mit den anderen aus. Zwischendurch hat man zwar mal Heimweh und vermisst Familie und Freunde, aber es ist dennoch eine großartige Erfahrung. Überall sind Leute, und man ist eigentlich nie allein. Irgendwann läuft man wie selbstverständlich durch die Stadt und wird sogar nach dem Weg gefragt.

Hast du Vorbilder oder Lieblingsmusicals?
Mich interessieren die Musicals an sich mehr als die Darsteller. Meine absoluten Favoriten sind da „Grease“ und die „Rocky Horror Picture Show“. Die hat schon meine Mutter geliebt. Und als nächstes geht es in „Das Wunder von Bern“. Ich bin schon mega gespannt!

Dein lustigstes Erlebnis an der Stage School?
Manchmal müssen wir so tun, als wären wir Blätter und die andere Hälfte des Kurses der Wind. Nach 15 Minuten denkt man dann, dass man wirklich durchs Pusten angetrieben wird. Echt merkwürdig, aber man gewöhnt sich an solche Übungen und irgendwann ist es dann völlig normal.

Wie stellst du dir dein Leben nach der Karriere vor? Irgendwann bist du vielleicht nicht mehr fit genug für die Bühne?
Darüber möchte ich mir im Moment ehrlich gesagt noch keine Gedanken machen. Schließlich bin ich erst 17, und mir stehen alle Türen offen. Aber ich sehe das positiv. Mich reizt zum Beispiel die Möglichkeit zu unterrichten. Aber erstmal konzentriere ich mich auf das, was vor mir liegt.

Was planst du denn nach dem Vorbereitungsseminar?
Im nächsten halben Jahr nehme ich an sieben Eignungsprüfungen teil. Dabei komme ich ganz schön rum.

Wohin geht’s denn?
München, Berlin, Essen, zweimal nach Hamburg zurück, Osnabrück und Wien.

Dann viel Erfolg und Hals- und Beinbruch!
(Zoe lacht) Also wenn ich mir demnächst etwas breche, bist du schuld, Freundchen.

Ob Zoe ihren Traum weiter verfolgt hat, oder sich nach dem Vorbeitungsseminar umentschieden hat, erfahrt ihr beim nächsten Mal.

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Wie kommt man an einen Studienplatz?

Zoe // Bei der Aufnahmeprüfung muss man je nach Art der Schule einige Gesangsstücke und Monologe vorbereiten. Ballett und Jazz werden bei einem Gruppentraining geprüft. An der Stage School kann man aber auch spezielle Workshops als Casting nutzen. In Köln haben wir da in vier Tagen ein Musical auf die Beine gestellt und intensiv alles Wichtige gelernt.
Workshops gibt es in vielen großen Städten.

Der Weg zum Ziel

Zoe // Es gibt viele Möglichkeiten, staatliche und private. An staatlichen Schulen absolviert man ein Studium und an privaten eine Ausbildung, die viele über einen Kredit oder ein Stipendium finanzieren.
Hier ein paar renomierte Schulen und Unis:
Folkwang Universität der Künste Essen:
www.folkwang-uni.de
Universität der Künste Berlin:
www.udk-berlin.de
Joop van den Ende Academy Hamburg:
www.stage-entertainment.de/academy
Bayerische Theaterakademie München:
www.theaterakademie.de/de/studium.html
Konservatorium Wien:
www.konservatorium-wien.ac.at
Stageart Musical School Hamburg:
www.stageart-musical.de