„Gibt es denn Farben, die Sie gar nicht tragen?“, fragt Sonja.
Sonja hat mich gerade angerufen, sie ist Stylistin beim Online-Shop Outfittery. In meinem Selbstversuch will ich herausfinden, ob das neuartige Konzept des Personal Shopping aufgeht.

Bevor Sonja mich angerufen hat, musste ich mich auf der Internetseite des Dienstes registrieren und ein paar Fragen über mich beantworten: Wie alt ich mich fühle (18-30), was meine Lieblingsmarken sind (Scotch & Soda) und was ich nicht tragen würde (große Prints mit nackten Frauen). Außerdem darf ich Fotos von Outfits anklicken, die mir gefallen, und ein Foto von mir hochladen. Und meine Größen und Preisklasse angeben.
Ich könne kein Rot oder Orange tragen, wegen der roten Haare, sage ich. Sonja muss lachen (sie lacht sehr viel) und tippt es ein. Nach 13 Minuten ist unser Gespräch vorbei, vier Tage später wird meine Box geliefert.
Drinnen sind neun Teile im Wert von fast 700 Euro, die ich zu Hause anprobieren kann. Dort kann ich mich der Meinung meiner Mutter zwar auch nicht entziehen, aber es ist doch deutlich entspannter als im Geschäft. Sonja scheint mich gut verstanden zu haben, das meiste trifft ziemlich gut, was ich sonst auch trage. Einiges davon hätte ich im Geschäft wahrscheinlich nicht ausgesucht, aber es soll ja auch darum gehen, mal etwas Neues auszuprobieren. Ich behalte eine Hose, ein Hemd und eine Mütze, den Rest packe ich wieder in die Box und schicke sie zurück.

Der Service kostet nicht extra, ich bezahle also nur den Ladenpreis der Kleidungsstücke.
Zwei Tage später ruft Sonja nochmal an, um zu fragen, wie mir die Auswahl gefallen hat.
Einige Hemden waren zu groß, sage ich. Das wird notiert und soll sich bei der nächsten Box ändern.

Insgesamt bin ich zufrieden: Ich hab ein paar passende Sachen gefunden, ohne einen ganzen Samstag in Geschäften zu verbringen. Wenn ich nicht in den Laden gehe, kommt der Laden eben zu mir, und das – anderes als bei Zalando und Co. – auch mit Beratung. Personal Shopping soll der nächste Trend werden und Outfittery ist längst nicht mehr nicht der einzige Anbieter auf dem Markt: KISURA bietet den gleichen Service für Frauen an, Zalando hat den Dienst Zalon ins Leben gerufen.
Den Laden wird Outfittery für mich nicht ersetzen, aber vielleicht das Kinder-Überraschungsei. Ist ja auch gesünder.