Lang ist es schon wieder her, dass ich meinen letzten Bericht geschrieben habe, und seitdem ist vieles passiert. Bis Anfang Dezember haben Merlina und ich noch gearbeitet, um dann in die wohlverdienten Ferien zu starten. Während die Arbeit in Malowa ihren gewohnten Gang nahm und wir uns so weit eingelebt hatten, dass wir schon die Namen der Kinder kannten und uns mit den Lehrern und Lehrerinnen immer besser verstanden, vergingen die Wochen wie im Flug.
Nach den Prüfungen bereitete sich die ganze Schule auf die Ferien vor. Die Woche vor dem offiziellen Schließen fand kein Unterricht mehr statt, und so hatten wir die Möglichkeit, ein Kino in einem der Räume aufzubauen. Die Schüler/-innen genossen die letzte Woche beim Filmeschauen, während wir den Lehrerinnen und Lehrern halfen, die Zeugnisse zu schreiben. Hier wird noch alles handschriftlich auf Papier gemacht! Ansonsten lief die Woche vor den Ferien genauso typisch wie in Deutschland: kein Lernen und nur noch Chillen.

Die letzten Tage wurde dann geputzt: die Klassenräume, die Dormitorien und das Schulgelände wurden darauf vorbereitet, dass einen ganzen Monat keiner der Schüler/-innen hier sein würde. Am letzten Schultag gab es im Vormittag eine Messe. Die Schüler/-innen der dritten Klasse hatten mit einer neuen Lehrerin Kirchensongs eingeübt, die sie in vierstimmigem Chor sangen, und die Kinder aus der Nurseryklasse führten ein Krippenspiel vor. Im Anschluss wurde das neu fertiggestellte Mädchenschlafhaus eingeweiht.
Dafür gingen alle Mädchen und Frauen mit dem Priester zu dem Dormitorium, und mit dem vorher aus Salz und Wasser zusammengestellten Weihwasser segnete der Priester das Haus. Nachmittags gab es eine Zertifikatverleihung. Da alle ihre Zeugnisse schon bekommen hatten, wurden nun noch Urkunden an die Schüler-/innen verliehen, die in diesem Schuljahr besonders gut gearbeitet hatten oder sich deutlich verbessert hatten zum Vorjahr. Danach konnten alle Day Scholars nach Hause gehen und die Boarders wurden am Tag darauf von ihren Eltern abgeholt. Merlina und ich backten mit zwei der Lehrerinnen den ganzen Abend noch in der Schulküche Mandazi (frittierte Hefeteigbällchen) für die Boarders.
Am Morgen, als alle abfuhren, bereiteten auch Merlina und ich uns vor, einen Monat nicht in Malowa zu sein, sondern unsere Ferien in Himo in der WG zu verbringen. In der freien Zeit konnten wir endlich mal ein paar Unternehmungen starten, was an den kurzen Wochenenden in der Schulzeit meistens nicht möglich war, zum Beispiel zum Flohmarkt gehen oder meine Braids neu flechten lassen.

Kurz vor Weihnachten kamen drei Freiwillige von IN VIA, die ihr Jahr in Uganda verbringen, um mit uns die Feiertage zu genießen. Heiligabend gingen wir abends in die Messe und waren nach Tanz und Essen mit den Schwestern von der Holy-Childhood-Schule erst um zwei Uhr nachts zu Hause. Am darauffolgenden Tag waren wir wieder zum Essen eingeladen, und so verbrachte man die Weihnachtstage, wie es auch in Deutschland üblich ist, mit gutem Essen.
Silvester wollten wir in Arusha, einer der größten Städte Tansanias, verbringen. Auf dem Weg von Moshi nach Arusha (nur zwei bis drei Stunden Fahrt) kommt man an Boma vorbei, von wo aus Tuktuks (Dreiradtaxis) zu Maji Moto (Heiße Quellen) fahren. Wir entschlossen uns, hier noch einen Stopp einzulegen. Auf der Fahrt dahin, die für zehn Kilometer ca. eine Stunde dauerte, fuhren wir durch mehrere wunderschöne Dörfer und man sah hier deutlich, dass gerade die Trockenzeit in die Endphase ging. Und so merkte man direkt, als die Natur grün wurde, dass wir bald am Wasser der heißen Quellen angekommen waren. Obwohl das Wasser nicht so warm war, wie es der Name verspricht (ist auch nicht unbedingt nötig bei der Außentemperatur hier), konnte man entspannt auf den Ästen sitzen, die sich teils durch das Wasser schlangen. Es gab die Möglichkeit, von einem fünf Meter hohen Ast zu springen oder mit einer Liane ins Wasser zu schaukeln. Wir genossen die rundum grüne und wunderschöne Natur, bis es Zeit wurde, unsere Reise fortzusetzen.

In Arusha angekommen, merkten wir erstmals den richtigen Großstadttrubel, den man von Himo und besonders Malowa so gar nicht kannte. Das Hostel war eigentlich zu klein für uns fünf, weil es nur fünf Betten gab, von denen jedoch zwei schon belegt waren. Da es aber an diesem Wochenende in Arusha so voll war, hatten wir nichts anderes mehr gefunden, und als wir das Hostel erreichten, merkten wir, dass man in dem Hochbett auch locker zu viert schlafen konnte. Nach einer entspannten Nacht und einem guten Frühstück fuhren wir in die Innenstadt, um uns das Cultural Heritage Center anzugucken. Das ist eine riesige und atemberaubende Kunstausstellung, bei der man (wenn man das Geld dazu hätte :D) alle Gemälde kaufen könnte. Am Abend waren wir durch Zufall von dem Hostelbesitzer (den wir eigentlich noch gar nicht persönlich kannten) zum BBQ in seinem anderen Hostel eingeladen. Von dort aus fuhren wir dann gemeinsam zu einem Openair-Club, wo es ein Feuerwerk geben sollte. Pünktlich um Mitternacht wurden dann die Böller in die Luft gejagt und das neue Jahr 2018 hatte begonnen.

Jetzt im neuen Jahr fängt die Schule auch wieder an und die Arbeit geht los. Aber nächste Woche fahren wir noch für zwei Wochen nach Uganda auf das Zwischenseminar von IN VIA, um unsere Erfahrung mit anderen Freiwilligen auszutauschen, und so beginnt die Arbeit erst richtig im Februar.

So weit erstmal zu meinen Ferien, die jetzt leider schon enden. Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018.

Liebe Grüße
Eure Jil (ganz links auf dem Foto)