Mit einer eigenen Facebookseite startete die Gruppe „Schüler gegen Tihange“ im November 2015 ihre Aktionen gegen die Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3. Auf Facebook zählt die Seite mittlerweile über 800 Likes. Es folgten ein Flashmob mit über 200 Schülerinnen und Schülern, ein YouTube-Video, ein Fotoprojekt, eine Unterschriftenaktion und die Teilnahme an der großen Kundgebung am Elisenbrunnen in Aachen kurz vor Weihnachten.
Die Idee zur Gruppe wurde geboren, als sich Thomas Emundts mit einem Lehrer über das Thema Atomkraft und die Gefahr des maroden Reaktors in Tihange 2 unterhielt. „Da muss man doch was tun“ – gesagt, getan! So wurde die Gruppe gegründet, der anfangs einige Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf angehörten und die mittlerweile Verstärkung aus anderen Jahrgängen der Schule, ehemaligen Schülern, Eltern und Schülern des Alsdorfer Gymnasiums und der Gesamtschule Aachen Brand erhält.

Das wichtige Thema wurde auch in den Karneval getragen und die Gruppe marschierte bei den Zügen in Baesweiler und Alsdorf mit. „Wir möchten auch in unserer Region wieder politische Themen im Karnevalszug verankern, wie es in den anderen Hochburgen normal ist“, erklärt Willem Polzin. An den Wochenenden vor Karneval traf sich eine engagierte Gruppe von Schülern, Eltern und Lehrern für die Vorbereitungen. Es wurden Fässer bemalt, Anzüge besprüht und Slogans entwickelt, Sponsoren gesucht und Wurfmaterial gesammelt und am Tulpensonntag in Baesweiler hieß es dann „De Zuch kütt – Mit den Schülern gegen Tihange“.

Was ist in Belgien bei Tihange und Doel los?

Die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 sind über 40 Jahre alt und waren über 20 Monate abgeschaltet, da sie mehr als 10.000 Risse an der Mantelung und an den Druckbehältern haben. Sie wurden Ende des Jahres 2015 trotz Protesten wieder in Betrieb genommen. Im Laufe der Zeit kam es in beiden Reaktoren zu plötzlichen Ausfällen, die laut dem Betreiber aber keine Gefahr für die Bevölkerung mit sich gebracht hätten.

Warum ist das schlecht?

Die über 5 cm großen Risse der beiden Reaktoren stellen eine Gefahr dar, denn bei einem Brand im Druckbehälter müssen die Reaktoren mit Wasser gelöscht werden, jedoch würde bei diesem Einsatz die Ummantelung der Reaktoren brechen und somit eine atomare Katastrophe entstehen, die nicht nur die unmittelbar umliegende Bevölkerung betreffen würde, sondern auch die Menschen im ca. 60 km entfernten Aachen. Zudem gibt es keinen wirklichen Evakuierungsplan.

Was sagen Experten?

Die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) traf sich Anfang Februar mit Belgiens Innenminister Jan Jambon und der Umweltministerin Marie-Christine Marghem in Brüssel und sprach über Tihange: „Aus meiner Sicht ist es fraglich, ob das mit den grundlegenden Anforderungen an die Sicherheit von Atomkraftwerken vereinbar ist.“

Welche Chancen hat man, dagegen etwas zu tun?

Es gibt beispielsweise im Internet Petitionen, die gegen die beiden Pannenreaktoren mit Unterschriften vorgehen wollen. Je mehr Stimmen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt das heikle Thema.
Inzwischen hat die StädteRegion Aachen beim belgischen Staatsrat Klage gegen „Tihange 2“ eingereicht.

Infos & Kontakte:
facebook.com/schuelergegentihange

www.stop-tihange.eu
Die Grünen (Aachen und Kreisverband) haben eine Seite mit interessanten Infos zusammengestellt.

(Der Beitrag ist in Ausgabe 03 erschienen)