Jeder kennt sie – diese Tage, an denen man eigentlich nur kurz etwas in der Stadt besorgen will und dann mit unzähligen Einkaufstüten und einem leeren Portemonnaie nach Hause kommt. Und das, was man eigentlich kaufen wollte, ist natürlich nicht besorgt. Aber woran liegt es, dass uns das immer wieder passiert?

Die Hersteller/Händler nutzen ganz bewusst Tricks, mit denen sie uns zu spontanen und eigentlich ungewollten Käufen verführen. Die Forschung, die sich mit unserem Einkaufsverhalten beschäftigt und somit von den Händlern genutzt wird, nennt sich übrigens Neuromarketing. In diesem Forschungsbereich wurden schon viele Shopping-Fallen aufgedeckt, die uns immer wieder zum Kaufen verleiten.

Schon im Eingangsbereich fängt es an. Mit Signalfarben wie knalligem Rot und Gelb sollen wir auf ein Geschäft und auf besondere Angebote aufmerksam gemacht werden. Werden diese dann auch noch mit riesigen Prozentzeichen kombiniert, sind wir auch schon in die erste Falle getappt und haben das Geschäft betreten – den Schlussverkauf wollen wir schließlich nicht verpassen!
Bereits einen Schritt später erwartet uns auch schon die nächste Falle: riesige Shopping-Bags, meist überdimensional große Stoffbeutel, die wir mit allem, das uns auf dem Weg zur Abteilung mit den heruntergesetzten Teilen positiv auffällt, füllen. Und während wir uns so in den riesigen Spiegeln begutachten, fällt uns nebenbei auch noch auf, dass wir eigentlich auch mal ein neues Paar Schuhe und eine neue Tasche gut gebrauchen könnten. Die Abteilung mit den herabgesetzten Dingen fällt dann doch um einiges kleiner aus als erwartet und die versprochenen 70 Prozent gelten nur für einige wenige Kleidungsstücke. Ein wenig enttäuscht wird dann trotzdem noch ziemlich viel anprobiert – schließlich ist gerade Sale! Und von dem Satz „Kaufen Sie es heute, morgen könnte es für immer weg sein“, der an der Wand steht, sind wir außerdem ganz schön unter Druck gesetzt. Die meisten Teile, die anprobiert wurden, sitzen zwar nicht perfekt, sehen aber ganz nett aus und bei so einem Preis muss man eben zuschlagen. An der Kasse entdecken wir dann noch allerlei Kleinkram, der ganz praktisch sein könnte – sogenannte Impulsware, die auch noch mitgenommen wird, weil die Produkte so niedlich klein und günstig sind. Und weil wir mehr als 50 Euro bezahlt haben, gibt uns die Verkäuferin dann netterweise noch einen Fünf-Euro-Gutschein für den nächsten Einkauf mit. Wir freuen uns so sehr, dass wir glatt übersehen, dass dieser wiederum erst ab einem Einkaufswert von 30 Euro gilt.
Wieder zu Hause werden dann als Allererstes die kostenlosen Prospekte und Kataloge durchgeblättert, die wir uns aus Neugierde mitgenommen haben. Schon wieder entdecken wir so viele schöne Dinge, die sogar recht günstig sind – jedenfalls, wenn man wie so oft nur die Zahl vor dem Komma liest und die 99 Cent dahinter nicht weiter beachtet. Und schon heißt es wieder: Wow, das sieht ja schön aus. DAS kaufe ich mir nächstes Mal …

Fotos: Anissa Belgacem