Laute Musik dröhnt durch den Raum, Nani und Jameelah sitzen halb nackt auf dem Boden. Sie trinken aus einem Buttermilchbecher und bemalen ihre Körper. „50 Euro“, „Bitch“ steht auf ihren nackten Beinen und dem Bauch. Heute soll es soweit sein, sie können es beide spüren. Sie gehen raus auf die Straße und da kommt auch schon der Erste „Na ihr zwei Süßen? Lust auf ein bisschen Spaß?“.
Am 17. September war die Premiere von „Tigermilch“ im Mörgens in Aachen und ich war positiv überrascht von der Umsetzung, wenngleich sie auch für ein Jugendstück sehr krass war.

Tigermilch erzählt von zwei Freundinnen zwischen Prostitution und wilden Alkoholexzessen.
Die Schauspielerinnen Luana Bellinghausen und Lara Beckmann schlüpfen in die verschiedenen Charaktere der Geschichte, wodurch eine gewisse Hektik entsteht, die Zeitweise zur Verwirrung führen kann.
Nani’s Mutter ist Alkoholikerin, Jameelah’s Familie ist illegal in Deutschland und soll ausgewiesen werden. Die beiden sind 14 Jahre alt und wenn sie Tigermilch, eine Mischung aus Mariacorn und Maracujasaft, trinken gehört die Welt ihnen. Doch tatsächlich können die beiden Mädchen nur erahnen wie es ist Erwachsen zu werden und das Leben in die Hand zu nehmen. Das wird ihnen bewusst, als die Freundschaft zwischen Entjungferung, Partys und Nachmittagen mit Freund Amir im Schwimmbad auf eine harte Probe gestellt wird, denn Amir’s Schwester wird ermordet.
Was haben die beiden Mädchen damit zu tun? Und wie verhält man sich in dieser Situation richtig?

Das Stück ist ein krasser Spiegel der Schattenseite der frühreifen Jugend und skizziert Heranwachsende, die ihre Grenzen ausreizen. Ich persönlich musste einige Male schlucken, da die zwei Schauspielerinnen die Botschaft sehr gelungen rüberbringen.
Das zeigte sich auch an der Reaktion des Publikums. Anfänglich war eine lockere und leicht amüsierte Stimmung und es wurde viel gelacht. Doch als sich das Geschehen wendete wurde es allmählich immer unruhiger und angespannter. Trotz einer teilweise zu übertriebenen Umsetzung war es spannend und man hat die ganze Zeit mit den beiden Mädchen mitgefiebert.
Die Altersbeschränkung von 14 Jahren finde ich jedoch zu niedrig angesetzt, ich würde das Stück keinem unter 16 Jahren empfehlen, da es die Nerven schon ziemlich strapaziert und manche Szenen nicht für Jüngere geeignet sind.
Für Besucher ab 16 Jahren ist Tigermilch nur zu empfehlen. Es ist ein schönes Stück das mit Humor und Witz die tragischen Seiten der heutigen Jugend aufzeigt.

Weitere Informationen und Termine unter:
theateraachen.de/

Foto: © Wil van Iersel

THEATER AACHEN 2015, Mörgens.

THEATER AACHEN 2015, Mörgens.