Klimaschutz – dazu gehören erneuerbare Energien, Recycling, Baumpflanzaktionen, Fleischverzicht und Elektromobilität. Die Umsetzung all dieser Maßnahmen soll dazu beitragen, die globale Erderwärmung auf maximal 2 °C zu begrenzen. Doch es gibt noch andere – vielleicht weniger bekannte – Faktoren, die das Klima beeinflussen. Einer davon ist die Erde von Zimmerpflanzen.

Der Grund liegt darin, dass herkömmliche Blumenerde zu fast 90 Prozent aus Torf besteht. Und Torf, das ist der kohlenstoffreiche Boden von Mooren. Diese sumpfähnlichen Landschaften gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern unserer Erde. Zwar bedecken sie nur 3 Prozent der Landfläche weltweit, speichern dabei aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen. Wird der Torf beispielsweise für Blumenerde abgebaut, wird der darin enthaltene Kohlenstoff durch Zersetzung als Kohlenstoffdioxid freigesetzt und trägt damit zum Klimawandel bei. In Deutschland sind bereits 90 bis 95 Prozent der Moore durch Entwässerung und Torfabbau zerstört und sorgen für 5 Prozent der Treibhausgasemissionen. Nur die dreifache Menge wird durch den Verkehr verursacht.
Sollen die Klimaschutzziele erreicht werden, müssen die Gesamtemissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden. Andere Szenarien gehen sogar von 95 Prozent aus. Das kann nur gelingen, wenn die Emissionen der zerstörten Moore verringert werden.

topfpflanzeDie Entwässerung und der Torfabbau schaden also dem Klima. Doch ein Moor kann auch wieder zum „Klimahelden“ werden. Denn in Mooren wird mehr Biomasse produziert als zersetzt, so wird Kohlenstoff gespeichert und damit aus der Atmosphäre entfernt. Dabei wächst die Torfschicht – pro Jahr etwa um einen Millimeter.
Das wird vor allem durch das Torfmoos ermöglicht. Torfmoose haben einen ganz speziellen Aufbau: Während sie oben immer weiter wachsen, sterben sie im unteren Teil, der oft im Wasser liegt, schon wieder ab. Unter Sauerstoffmangel kann dieser nicht vollständig zersetzt werden, und es bildet sich Torf. Um sich Konkurrenz vom Hals zu schaffen, hat das Torfmoos eine weitere Besonderheit: Es gibt Wasserstoffionen ab, die für eine saure Umgebung sorgen und damit das Pflanzenwachstum der Konkurrenten hemmen. Obwohl Moore artenarm sind, leben in ihnen viele solcher ganz besonderen und seltenen Arten. Weitere Beispiele dafür sind der fleischfressende Sonnentau und viele Eidechsen und Libellenarten.

Moore sind außer durch den Abbau von Torf vor allem durch die Entwässerung und Nutzung als land- oder forstwirtschaftliche Fläche gefährdet. Denn egal, ob ein Moor „nur“ entwässert oder der Torf auch abgebaut wird, in beiden Fällen werden Emissionen freigesetzt. Zum Glück gibt es Alternativen und Schutzprojekte, die die Moore wieder in die wertvollen Kohlenstoffspeicher verwandeln sollen, die sie einmal waren.

Während beispielsweise in Irland und Finnland Torf trotz der klimaschädlichen Wirkung noch immer als Brennstoff für die Energieerzeugung genutzt wird, wird der Torf in Deutschland größtenteils im Gartenbau verwendet. So versteckt er sich – für die Käufer zunächst unsichtbar – in abgepackter Erde aus dem Baumarkt und in den Töpfen vieler Zimmerpflanzen. Zum Glück gibt es klimaschonende Alternativen, beispielsweise auf Rindenmulch- oder Erde auf Torfmoosbasis. Eine Liste der torffreien und damit klimafreundlichen Blumenerden ist auf den Seiten des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) zu finden. Es lohnt sich, beim nächsten Einkauf einen Blick darauf zu werfen.  Schließlich sollen Zimmerpflanzen die Natur nach drinnen holen, ohne sie zu zerstören.

bonsaiokWährend es zur Energieerzeugung schon lange Alternativen gibt, die hoffentlich bald die Torfkraftwerke verdrängen, gibt es nun auch bei der landwirtschaftlichen Nutzung Projekte, die eine wirtschaftliche und gleichzeitig nachhaltige Nutzung der Moore erproben. Eine davon ist die Paludikultur, bei der Wasserbüffel auf Moorflächen grasen und Schilf als Baumaterial angebaut wird.

Für zerstörte Moorregionen gibt es außerdem Projekte, bei denen die Entwässerung gestoppt, die natürliche Vegetation, soweit es geht, wiederhergestellt und das Moor somit in seinen ursprünglichen Zustand versetzt wird. Ein Beispiel dafür ist das Hohe Venn, das nicht weit von Aachen entfernt ist. Zwar dauert es sehr lange, bis die Moore wieder zu den vielfältigen Lebensräumen werden, die sie einmal waren – die Treibhausgasem-issionen werden dadurch jedoch gestoppt, so dass unsere Moore langsam wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllen können.
Für die Moore und das Klima ist also Besserung in Sicht. Wer helfen will, die Moore zu schützen, kann sein Umfeld zum Beispiel auf torffreie Alternativen zu herkömmlicher Blumenerde aufmerksam machen.

Quellen:

Bodenatlas 2015 (Kooperationsprojekt der Heinrich Böll Stiftung)
www.planet-wissen.de/natur/landschaften/lebensraum_moor/index.html
www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/08/2014-08-14-sommer-moore.html
www.bfn.de/0311_moore-entstehung-zustand.html
www.paludiculture.uni-greifswald.de/de/index.php
www.umweltbundesamt.de/bild/entwicklung-der-treibhausgasemissionen-in
Blumenerde ohne Torf: BUND Einkaufsführer
Infotafeln im Hohen Venn

johanna_moorIch habe mich im Rahmen des 2°Changemaker-Seminars der WWF Jugend über Moore und den Zusammenhang mit dem Klimaschutz informiert und es mir zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, wie wichtig es ist, unsere Moore zu schützen, um den Klimawandel einzudämmen. Dabei habe ich natürlich noch viel mehr herausgefunden. Meine und die Ergebnisse der anderen Changemaker sind unter www.2-grad-changemaker.de nachzulesen.
Alle zwischen 17 und 25 Jahren können sich außerdem seit dem 15.11.2016 für das nächste Seminar bewerben und dort lernen, wie man Klimaschutzprojekte plant und umsetzt, und sich mit den anderen Teilnehmern austauschen.
www.wwf-jugend.de/durchstarten/2-grad-changemaker/

Fotos // Johanna Knauf, Sophie Geier,
morningside / photocase.de, Kazhkas / photocase.de