… Dann Travel

Auch Janine Friedrich hat in Australien hart gearbeitet. In ihrem Artikel für KingKalli widmet sie sich dem Freizeitteil, der nach der Arbeit kam.

„Morgen buche ich die Flüge.“

„Nach dem Abi gehe ich für ein Jahr nach Australien, ich buche morgen die Flüge, okay?“
Es war im Mai 2012, als ich die beste Entscheidung meines Lebens traf. Zwischen Lernen für Abiturprüfungen und Kopfzerbrechen darüber, was ich nach Beendigung der Schule mache, entschloss ich mich, knappe zwei Monate bevor es so weit war, ein Auslandsjahr – Work and Travel – in Australien zu verbringen. Begeisterung war nicht gerade das, was ich den Gesichtern von Familie, Verwandten und Freunden entnehmen konnte. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann zieh ich das auch durch. Und diese Reise bringt mich ein Jahr später nach Aachen …

Die ersten drei Monate war ich aber nicht allein:
Lisa, eine Freundin aus meiner ehemaligen Klasse, entschloss sich, mit mir zu kommen. Nachdem wir im Juli in Sydney ankamen und geschockt von unseren Englischunkenntnissen waren, beschlossen wir, erst einmal ganz tourimäßig das viele Geld von uns(eren) Eltern auszugeben.
Es ging die Ostküste entlang immer weiter der Sonne entgegen. Zwei Monate, 14 Städte und 2.182 km später landeten wir irgendwo im Nirgendwo: Home Hill. Farmarbeit war angesagt für etwa einen Monat, denn das Geld war alle. Über Weihnachten flogen wir kurzfristig und vor allem wegen einer Schnapsidee von mir (Eminem-Konzert beim Formel 1 Grand Prix in  Abu Dhabi) nach Hause. Lisa entschied sich dann allerdings, zu Hause zu bleiben, denn das Backpacker-Leben war nicht so ihr Ding.

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Für mich begann der zweite Teil meiner Reise mit Silvester in Sydney, dann vier Monaten arbeiten in der Metropole. Da ich für mein Second-Year-Visum noch Feldarbeit leisten musste, fuhr ich wieder nach Home Hill. Dort traf ich zufällig ein mir schon vom ersten Mal bekanntes Gesicht wieder: Felix. Da wir uns sehr gut verstanden, entschlossen wir uns, nach drei Monaten unterschiedlichster Art von Farmarbeit, Ernten von allen möglichen Früchten und ständigen Rückenschmerzen gemeinsam weiterzureisen und uns etwas Freiheit und wohlverdienten Urlaub zu gönnen.

Nach einer siebenstündigen Busreise durch dichten Dschungel, Bananenplantagen und Felder, in denen kleine Ortschaften siedelten, landeten Felix und ich in Cairns. Hier verbrachten wir aber nur drei Tage, um uns die Stadt anzusehen und eine Tagestour zum Great Barrier Reef zu machen, was auch der Hauptgrund war, warum wir uns Cairns als Zwischenstopp aussuchten. Beim Schnorcheln konnten wir diese unglaublich bunte und schöne Unterwasserwelt bestaunen, ab und zu bekamen wir aber auch ein paar Tritte ab oder verteilten wahrscheinlich auch welche, denn in unserer Gruppe waren wir bestimmt 30 Leute, und diese 30 Leute wollten alle diese Unterwasserwelt bestaunen – alle auf einmal. Tourismusmassenabfertigung sozusagen, aber wenn man nicht ein Vermögen für solche Touren ausgeben möchte, muss man damit vorliebnehmen. Aber uns hat es auf jeden Fall trotzdem gefallen, und zudem konnten wir vom Boot aus noch viele aus dem Wasser springende Wale beobachten. Sieht man ja auch nicht alle Tage.
Mit dem Flugzeug erreichten wir unser nächstes Ziel: Darwin. Es war Juli und somit Winter in Australien. Die Einheimischen mögen es als kalt empfunden haben, aber es waren 35 Grad. Die überaus trockene und heiße Luft machte uns sehr zu schaffen.
Direkt nachdem wir ankamen, liehen wir uns für eine Woche einen Campervan aus. Danach stand Stadt erkunden auf dem Plan, und Darwin ist eine wirklich schöne Stadt: kleine Einkaufsstraßen, freundliche Menschen, Bilderbuch-Strände. Hier leben auch viele Aborigines, die ich hier zum ersten Mal in dieser Vielzahl sah. Je weiter man von Darwin wegfährt, desto weiter gelangt man ins Nichts. Wir machten uns auf die Suche nach einem Schlafplatz, jedoch konnte uns keiner so richtig weiterhelfen, uns wurde nur immer wieder abgeraten, an bestimmten Plätzen zu weit in den Wald hineinzugehen, denn es sei sehr gefährlich aufgrund der Ureinwohner. Es gab dort viele Stellen zum Campen, allerdings nur wenige kostenlose. Als es uns am Eastpoint, einer kleinen Halbinsel abgelegen von der Stadt, doch nicht ganz geheuer war durch die Anwesenheit vieler Aborigines, die sehr laut und anscheinend auch betrunken waren, fanden wir dann doch noch einen schönen Platz am Mindil Beach mit Panoramablick auf den Sonnenuntergang über dem Meer. Das war also unser Schlafplatz für Darwin, besser geht es nicht. Es war wieder ein völlig anderes und neues Lebensgefühl, in einem Campervan zu schlafen, kochen, essen – ja, zu leben. Wir mussten zwar bei den öffentlichen Duschen kaltes Wasser in Kauf nehmen, aber wir hatten uns schnell daran gewöhnt. Am Abend versammelten sich auf dem Platz viele andere Backpacker mit ihren Campervans, die offenbar auch alle dort übernachten wollten, was uns etwas Sicherheit gab. Wir konnten sehr gut schlafen, denn unser Bett, was zugleich auch zu einem Tisch mit zwei Sitzbänken umgebaut werden konnte, war ungewohnt gemütlich, wenn man drei Monate lang in einem schäbigen Working Hostel auf einer durchgelegenen Matratze geschlafen hat.
Unsere Nachtruhe endete allerdings am nächsten Morgen um fünf Uhr, als wir durch ein lautes Klopfen an der Fensterscheibe wach wurden. Verschlafen öffnete Felix die Tür, vor der ein kräftiger Parkwächter mit einer Taschenlampe stand und fragte, was wir hier machten. Er sagte, wir müssten sofort los, denn heute sei hier Wochenmarkt und sonst sei eine Strafe von 144 AUD fällig.

Aber er war freundlich und meinte, wir sollten einfach mal kurz in die Stadt fahren, einen Kaffee trinken und uns dann etwas weiter vorne auf einen Parkplatz stellen. Gesagt, getan.
Es waren auch keine anderen Backpacker mehr da. Wir waren tatsächlich die Einzigen hier.
Felix fuhr los, und nachdem wir von dem Platz nach rechts abbogen, kamen uns zwei Lichter entgegen, immer näher … Oh mein Gott, wir sind auf der falschen Straßenseite! Felix gab Gas, weil er aufgrund einer Verkehrsinsel nicht direkt links rüberziehen konnte. Ich hatte mir schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt, als Felix das Lenkrad nach links riss und wir gerade noch rechtzeitig auf die richtige Spur kamen. Spätestens jetzt waren wir wach – aber richtig wach!

janineaustralien1Wie im Paradies

Als nächstes wollten wir zwei der Nationalparks rund um Darwin besuchen. Nachdem wir am zweiten Tag in einem Krokodilpark waren und eines dieser Monster füttern durften, fuhren wir am folgenden Tag in den Litchfield-Nationalpark. Wir schauten einfach alles an, was uns gefiel: von den Florence Falls über die Tolmer Falls und Wangi Falls bis zur Buley Rockhole und zu den Magnetic Termite Mounds. In einigen der kleinen Seen, in die die riesigen Wasserfälle hineinführten, konnten wir baden gehen, und wir kamen uns vor wie im Paradies. Wir haben so viele unglaubliche Naturwunder gesehen. Dort hat man alles andere einfach vergessen.

Manchmal war leider ein Menschenauflauf an den Seen, was natürlich nicht wirklich schön war, aber damit muss man rechnen. Doch die meiste Zeit konnten wir ganz in Ruhe durch den Park zu den verschiedenen Aussichtspunkten wandern und die Freiheit genießen. Wir verbrachten den kompletten Tag im Litchfield-Nationalpark, und er war auf alle Fälle einer der schönsten meines gesamten Aufenthalts. Abends ging es zurück nach Darwin, und ich versuchte mich auch das erste richtige Mal im Vanfahren auf der falschen Seite der Straße, was zum Glück auch sehr gut klappte.
Am nächsten Tag ging es in den Kakadu-Nationalpark, der etwa 250 Kilometer östlich von Darwin liegt. Vor uns lagen also drei Stunden Fahrt. Wir fuhren abwechselnd die eintönige Strecke, umgeben von Nichts, soweit das Auge reicht, und jeder Menge Wälder, ansonsten war es ein gerader Highway, auf dem wir auf dem ganzen Weg vielleicht fünf andere Autos trafen und aufpassen mussten, dass wir nicht einschliefen beim Fahren.

Am Mardugal Campground fanden wir den perfekten Schlafplatz im Herzen des Nationalparks. Wir hatten noch den halben Tag Zeit, um uns einige der nahe gelegenen Spots anzuschauen. Am Abend machten wir es uns gemütlich. Während ich unsere Erlebnisse in einem Buch festhielt, sammelte Felix im Wald Stöcke und kochte uns etwas. Nach dem Essen saßen wir am Lagerfeuer, aßen Marshmallows und schauten uns die Sterne an. Wir konnten nicht so richtig glauben, wo wir eigentlich gerade sind. Es war so unfassbar schön.

Für den folgenden Tag hatten wir ausnahmsweise mal einen Plan. Vom Herzen des Kakadu-Parks aus machten wir unsere eigene Tour mit dem Campervan und hielten an allen Plätzen, die auf der Karte eingezeichnet waren. Meist nur mit Badesachen bekleidet, wanderten wir durch die atemberaubendsten Landschaften, kletterten auf Felsen, von denen wir kilometerweite Sicht hatten auf Waldgebiete, relaxten an Seen, in denen man aufgrund von Krokodilen im gesamten Gebiet des Parks nicht baden durfte, und genossen unsere Freiheit und die Verbundenheit mit der Natur.
Als am frühen Abend langsam die Dämmerung begann, machten wir uns auf Richtung Darwin.
Nicht das Ende der Welt, nur die andere Seite
Auf dem Weg haben wir jede Menge Kängurus gesehen: leblose, auf der Straße liegende und welche, die Glück hatten, dass sie noch vor unserem Campervan die Straße überqueren konnten. Die Sonne ging langsam unter, der Wald am Straßenrand brannte und wir fuhren durch schwarze Rauchwolken wieder Richtung Darwin, zurück in die Zivilisation.

Unser leider letzter gemeinsamer Stopp war Bali. Vom Backpacker-Leben im Campervan, wo wir im Freien auf einer Gasplatte kochen mussten, in ein 4-Sterne-Hotel mit Frühstücksbuffet und 3-Gänge Menü zum Abendessen. Unser wohlverdienter Urlaub. Als wir aus dem Flughafen herauskamen, war die Suche nach einem Taxi nicht schwer. Circa 20 Taxifahrer, wenn nicht sogar mehr, kamen auf uns zu, als wären sie Paparazzi und wir prominent. Wir wurden tatsächlich umlagert und jeder wollte uns mitnehmen, natürlich des Geldes wegen. Am Flughafen hatten wir jeder 300 AUD umgetauscht und erhielten dafür 3.300.000 indonesische Rupien. Erstmal mit diesen hohen Beträgen und der Umrechnung klarzukommen, fiel uns nicht gerade leicht. Somit konnte auch der Taxifahrer, den wir auserwählten, das Geschäft seines Lebens machen, da er uns abgezogen hat, wie wir später im Hotel erfahren mussten. Begeistert von dem Atanaya Hotel, unserem wunderschönen De-luxe-Zimmer und dem perfekten Service, fühlten wir uns direkt wohl. Die Woche in Bali machten wir dann wirklich nur noch Urlaub. Jeden Tag fuhren wir zu einem anderen wunderschönen Strand und relaxten. Hier haben wir es uns einfach nur gut gehen lassen.

Nach Bali trennten sich vorerst unsere Wege, und ich machte noch einige Tage einen Zwischenstopp in Singapur und Phuket. Am 02.08.2013 kam ich wieder in Deutschland an, und zwei Wochen später ging die Geschichte von Felix und mir in Aachen weiter.
Durch die Farmarbeit haben wir sehr viele gute wie auch schlechte Erfahrungen gemacht, viel über uns selbst und unsere Grenzen gelernt. Durch das Second Year Visa haben wir die Möglichkeit, nach dem Studium noch einmal in das Land zu gehen, wo wir bis jetzt das Jahr unseres Lebens hatten, und das werden wir auf alle Fälle nutzen.

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